Tag 72
Freitag, Februar 12th, 2010Ich fühle mich allein und dennoch irgendwie beobachtet. Keine Ahnung woran das liegt. In einem solchen Zwangszustand neige ich zu Extremen, zum Klammern oder Kurzschlussreaktionen. Vor mir muss ein Weg liegen, der zumindest am Anfang nicht gleich mit kleinen wie großen Steinen gepflastert ist.
Ich fühle mich nicht wie der Stuhl, der quasi im Zentrum des Bildes steht. Eher sehe ich mich als Schatten, der erst durch ein hartes Licht entsteht. Wäre es weich, der Raum vollständig Licht erfüllt, ginge ich … der Schatten … im Licht förmlich unter. Ich brauche den Stuhl und das eine Licht. Fehlt beides, gäbe es mich nicht.
Ich denke, fühle und handle dunkel. Das wurde mir erst vorgestern wieder bewusst. Eine möglichst vielseitige und ansprechende Bildauswahl soll ein Buchkonzept untermauern, dass ich eigentlich schon immer schreiben wollte. Was anschließend auf digitalen Papier zu sehen war, erschreckte mich in seiner Schwermütigkeit. Die Tatsache zementiert meine Meinung: In seinen Bildern erkennt der aufmerksame Betrachter die Seele des Fotografen. Das bin also offenbar ich, was ich als Herzblut in einem Konzept zusammengefasst habe. Es hat mich gewaltig erschreckt.
Einsamer Baum
Einsamer Stuhl
Viel Licht
Wenig Licht
Weich
Hart
Trotz einer gewissen Ernüchterung ist die Erkenntnis ein positives Zeichen für mich, sie überhaupt erkannt zu haben. Nur so kann ich an der latenten Schwermut arbeiten, wenn auch nur in kleinen Schritten. Das Leben überlies mir bisher wenige realexistierende Freunde und gab mir dafür einen permanent anhängigen Feind: Das Denken. Ein Bruch ist nichts weiter als ein zufällig ausgeführter Schnitt, dessen Kante die innere Struktur offenbart. Zwangsweise so auf den Weg gebracht, muss ich eben Steine überwinden, umgehen oder ausräumen, wenn das Ziel weiterhin mein Weg bleiben soll …
Foto: 2009 Ronald Puhle





