Friday, September 10, 2010 17:53

Posts Tagged ‘vertrauen’

Tag 72

Freitag, Februar 12th, 2010

Ich fühle mich allein und dennoch irgendwie beobachtet. Keine Ahnung woran das liegt. In einem solchen Zwangszustand neige ich zu Extremen, zum Klammern oder Kurzschlussreaktionen. Vor mir muss ein Weg liegen, der zumindest am Anfang nicht gleich mit kleinen wie großen Steinen gepflastert ist.

Ich fühle mich nicht wie der Stuhl, der quasi im Zentrum des Bildes steht. Eher sehe ich mich als Schatten, der erst durch ein hartes Licht entsteht. Wäre es weich, der Raum vollständig Licht erfüllt, ginge ich … der Schatten … im Licht förmlich unter. Ich brauche den Stuhl und das eine Licht. Fehlt beides, gäbe es mich nicht.

Ich denke, fühle und handle dunkel. Das wurde mir erst vorgestern wieder bewusst. Eine möglichst vielseitige und ansprechende Bildauswahl soll ein Buchkonzept untermauern, dass ich eigentlich schon immer schreiben wollte. Was anschließend auf digitalen Papier zu sehen war, erschreckte mich in seiner Schwermütigkeit. Die Tatsache zementiert meine Meinung: In seinen Bildern erkennt der aufmerksame Betrachter die Seele des Fotografen. Das bin also offenbar ich, was ich als Herzblut in einem Konzept zusammengefasst habe. Es hat mich gewaltig erschreckt.

Einsamer Baum
Einsamer Stuhl
Viel Licht
Wenig Licht
Weich
Hart

Trotz einer gewissen Ernüchterung ist die Erkenntnis ein positives Zeichen für mich, sie überhaupt erkannt zu haben. Nur so kann ich an der latenten Schwermut arbeiten, wenn auch nur in kleinen Schritten. Das Leben überlies mir bisher wenige realexistierende Freunde und gab mir dafür einen permanent anhängigen Feind: Das Denken. Ein Bruch ist nichts weiter als ein zufällig ausgeführter Schnitt, dessen Kante die innere Struktur offenbart. Zwangsweise so auf den Weg gebracht, muss ich eben Steine überwinden, umgehen oder ausräumen, wenn das Ziel weiterhin mein Weg bleiben soll …

Der Stuhl - Schwarzweiss-Aufnahme

Foto: 2009 Ronald Puhle

Das erste Wochenende im neuen Jahr

Samstag, Januar 2nd, 2010

Wenn nichts dazwischen kommt stehe ich morgen vormittag wieder im Flackerlight und habe ein arbeitsreiches Fotoshooting vor mir. Wir, das Modell und ich, haben uns einiges vorgenommen und ich bin bereits jetzt auf die Ergebnisse gespannt. Gilt es doch nicht nur die erste Anspannung zu überwinden und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen …

rothaariges Modell aus Berlin

Foto: 2009 Ronald Puhle

Solche Anpassungsphasen können durchaus ihre Zeit in Anspruch nehmen. Wenn ich die ersten Ergebnisse mit Helena zu den hier gezeigten Aufnahmen des letzten Fotoshootings betrachte, dann liegen nicht nur Monate sondern auch Welten dazwischen. Die ersten Fotos entstanden sicherlich unter einem gewissen Zeitdruck und ich konnte mir noch nicht einmal die Zeit für ein Vorgespräch nehmen. Es waren nur noch wenige Wochen bis zum offiziellen Abgabetermin des letzten Buchprojekts. Mit jedem weiteren Aufeinandertreffen löste sich die Anspannung und wir konnten immer unbefangener zusammenarbeiten …

Portrait von Ronald Puhle

Foto: 2009 Ronald Puhle

Durch die zeitlichen Verzögerungen beim Lektorat schaffte es am Ende sogar noch eine weitere Aufnahme mit ihr in das Buch. Sie entstand bei einem späteren Aufeinandertreffen und ist im hinteren Teil des Buches zu sehen. Mit dem positiven Gedanken verabschiede ich mich in das erste Wochenende des neuen Jahres 2010 … :D

Weiterführende Links
Das “erotische Überraschung”-Fotoshooting
Modelle für meine Projekte gesucht
Das “Wir bekommen ein Baby”-Fotoshooting

Ansichten, Einsichten und Motivation

Samstag, November 21st, 2009

Obwohl ich mir vorherige Woche ein langes Wochenende gegönnt hatte und eigentlich acht Artikelseiten zu Adobe Photoshop Lightroom tippen musste, nahm ich mir am Samstag “frei” und half einem Foto-Eleven in Sachen Studiofotografie. Beim ersten Mal hatte er versucht, mit seiner Bridgekamera Aufnahmen zu machen. Wenn Kamera und Blitzanlage nicht synchron schwimmen, geht das Unterfangen natürlich nach hinten los. Doch diesmal gab ich ihm meine Zweit-Nikon und damit die Möglichkeit, seine Freundin nach seinem Gusto abzulichten. Für mich sind zwar solche Tage als Knipser eher unergiebig, doch als Buchautor ziehe ich daraus meine Ideen.

Frauenakt in Farbe

Foto: 2009 Ronald Puhle

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Vertrauen Besitzer einer Digitalkamera in die klassischen Kameraeinstellungen setzen. Sie sind felsenfesten der Meinung, dass irgendeine Super-Elektronik für gute Aufnahmen verantwortlich ist und man somit spielend zu bombigen Ergebnissen kommt. Mein Lieblingsspruch in dem Zusammenhang ist: “Das kann doch jeder …” oder so ähnlich.

Richtig bewusst wurde mir der Umstand zu Beginn der Arbeiten am letzten Buch. Nicht auf meinem Mist gewachsen wurde angedacht, mich seitenweise zu den Motivprogrammen auszulassen. Doch Dank Vollautomatik bei motivspezifischen Prioritäten gibt es ernsthaft nichts darüber zu berichten, außer: Motiv auswählen, Kamera einschalten, einfach oder niveauvoll Draufhalten, Knopf gedrückt und Kamera zum Strom sparen wieder ausschalten. Das war es. Es ist völlig egal, welches Motiv sich da vor der Linse drapiert oder nicht. Die Technik und eine “pfiffige” Logik dahinter macht.

Stellenweise habe ich den Eindruck, gegen einen übermächtigen Kameragott in Chipgröße und Stacheldrahtverhau ankämpfen zu müssen. Ich bleibe mal beim Blitzen: Das Verhältnis der Belichtung Vordergrundmotiv zum Hintergrund wird gelegentlich als eine wundersame Magie der Elektronik angesehen. Dass der Kamerahalter genauso gut die Einstellungen vornehmen kann und dabei noch die Stimmung individuell beeinflusst, ist ein “Überzeugungsakt”, der mich immer wieder einige Nerven kostet.

An dem Punkt angelangt versuche ich mich immer zu erinnern, wie ich das erste Mal eine Kamera in den Händen hielt und mich mehr schlecht als recht abmühte, ihr etwas Brauchbares abzuringen. In einem Punkt bin ich mir jedoch relativ sicher: Zum Sklaven einer Automatik … die vom Hersteller womöglich noch als Kreativprogramm oder ähnlich erklärt wird … habe ich mich nicht gemacht. Was da am Ende auf der Speicherkarte landet, hat in den seltensten Fällen meiner Vorstellung einer Belichtung entsprochen. Gerade im Bridge-Segment leistet die Live-Vorschau gute Dienste, ein Gefühl für die Belichtungseinstellungen zu bekommen. Weshalb also die Knipse alles alleine machen lassen, wenn ich alles am Display noch vor dem Knips kontrollieren kann?

Die vorangestellten Ausführungen sind kein Vorwurf gegen irgendjemand. Im Gegenteil: Fotografie ist ein Lernprozess, der weitaus weniger mit Technik zu tun hat als man denkt. Vieles sind reine Einstellungsfragen, das Überwinden des eigenen Schweinehunds und der permanenten Selbstmotivation. So besteht meine Freude an der Fotografie nicht darin, noch mehr Menschen … wenn möglich weiblich und nackt … Blumen, alte Bäume oder ehrwürdige Gebäude abzulichten. Mein Spaß an dem Hobby besteht darin, neue Aufnahmetechniken auszuprobieren. Das Motiv ist mir dabei eigentlich fast egal … :)

Glaube, Hoffnung und Vertrauen

Dienstag, August 5th, 2008

Es fällt schwer an Ideale zu glauben, die selbst aus einer Dummheit heraus aufgegeben und verraten wurden. Kann Liebe so groß sein, dass die Zeit sprichwörtlich alle Wunden heilt? Zeit ist der Motor der Menschheit. Sie hat eine Spezies des Affen zu Menschen gemacht, Zeit lässt Leben heranreifen und nimmt es uns, Zeit lässt vergessen was man sich geschworen hat und lässt einen in den Glauben zurück, nicht sich und uns zu vertrauen.

Galube, Hoffnung und Vertrauen

Foto: (c) 2007 Ronald Puhle

Zeit bringt Veränderung in jeder erdenklichen Form. Sie ist Freude, Last und Enttäuschung zu gleich. Doch wie soll man damit, wenn man alles sicher Geglaubte auf einen Schlag verliert und kein Weg zurück führt. Es ist leicht daher gesagt, die Zeit wird es schon bringen und das Leben geht irgendwie weiter. Was nutzt mir das Vertrauen in die Zeit, wenn der Glaube keine füllbaren Inhalte findet? Hoffnung allein bringt Verlorenes nicht wieder zurück, denn hier arbeitet die Zeit dagegen.

Es ist Enttäuschung, Wut und Verzweiflung, die dieses Foto aus emotionaler Sicht für mich zu etwas besonderem macht. Keine andere Aufnahme aus meinem digitalen Schuhkarton ruft noch heute das Gefühl der Trauer in mir hoch, letztendlich doch allein zu sein.