Im Chaos der Vergänglichkeit
Montag, Mai 24th, 2010
Foto: 2010 Ronald Puhle
Meine Gedanken zu dem Foto:
Das Alte steht für das Neue, auch wenn es ihm dafür manchmal an der notwendigen Verantwortung fehlt!

Foto: 2010 Ronald Puhle
Meine Gedanken zu dem Foto:
Das Alte steht für das Neue, auch wenn es ihm dafür manchmal an der notwendigen Verantwortung fehlt!
Ich bin wieder wach. Zwei Tage lang hat mich offenbar ein Alptraum verfolgt: Ich entledige mich meiner Kamera, den Objektiven und all dem netten Zubehör. Ich habe laut geträumt und bin von der Reaktion im Umfeld überrascht. Offenbar erwartet man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit solche emotionale wie radikale Ausbrüche und macht sich dennoch Gedanken. Mich versetzt es dagegen in Erstaunen, wie weit die Fantasie mit mir durchgehen kann. Wenn ich etwas besitze, dann solch unterbewusst durchlebte Hirngespinste, die sehr wohl in bitteren Ernst umschlagen können.
Ich träume viel zu selten und wenn doch, dann kommt eben solch ein Blödsinn dabei raus. Viel lieber stehe ich mit beiden Beinen im Leben und bin halbwegs Herr einer Lage. Hier treffe ich weitaus weniger auf Pleiten, Pech und Pannen. Ich kann mich nicht an schöne Träume erinnern. Wenn sie nach dem Erwachen noch da sind, tun sie mir weh.
Offenbar sprach Freud im Geist zu mir, als er die Geschichte meinen Fingern diktierte: Es gab den Bahnsteig, nur waren in der Realität die Vorzeichen vertauscht. Sie, die Frau meines bis dato Lebens, fuhr einfach von mir fort. Ich war der zurückgelassene Rucksack und sie meinte nun alles anders machen zu wollen. Drei lange Jahre ist es her. Über 1000 Tage hat es gebraucht, bis das Erlebte in einer eigenen Geschichte und auf eine andere Ebene transformiert aus mich herausbricht. “Ich liebe dich noch immer, habe nie aufgehört dich zu lieben, selbst als ich glaubte, dass es nicht mehr so ist!” höre ich ihre Worte kurz nach meinem Aufwachen.
Wir setzen uns ins Auto und fahren einfach drauflos. Einziges Ziel: Wir wollen raus. Am Ende der Reise über Golf mordende Holperstraßen der Märkischen Schweiz stehe ich vor einer Lichtung. Alles um mich herum ist grün, nur der Himmel zeigt sich wolkenverhangen. Und da steht er, ein Baum im roten Kostüm seiner Blätter. Es sei Frühling verkündet der Kalender, das Wetter erinnert mich eher an den Herbst.
Gedankenversunken greife ich zur Kamera und halte einfach fest, was ich sehe. Nachher lege ich nur noch die Farbenpracht nach. Die Szene sehe ich in meinen Augen bunt, übernatürlich bunt und anders, egal ob das Ganze drum herum verwirrend scheint. Meine Aufarbeitung in den letzten Tagen war es ebenso …

Foto: 2010 Ronald Puhle
Am Frühstückstisch habe ich noch frohlockt: “Zur Zeit werd ich vom Heuschnupfen verschont, ein Glück”. Die Angetraute klopft mit ihrer geballten Faust an den Kopf: “Sag so etwas nicht”. Es war das Unken mit Ansage einer zu erwartenden Katastrophe. Mit jeder weiteren Sonnenstunde zogen mehr und mehr Kopfschmerzen auf, juckte die Nase und Augen. Eingeschränkt aber unbeirrt machte ich mich dennoch auf den Weg und führte ein paar Kameras aus. Einfach so, ohne ein wirkliches Ziel vor Augen.
Keine halbe Stunde später war ich wieder zu Hause. Die Winterjacke ist bei den Temperaturen wirklich fehl am Platz. Wenn es in der Woche morgens gegen 6 Uhr zur Arbeit geht, ist es für Bauchfrei mit Hemd einfach noch zu kalt. Aber jetzt, um die Mittagszeit und bei wolkenfreien Himmel, darf es schon das Jeansjäckchen sein. Es folgt ein schneller Klamottenwechsel. Bei der Gelegenheit lasse ich die große Kamera zu Hause, führe lediglich das iPhone und die Kompaktknipse aus. Das muss für einen planlosen Ausritt genügen.
Entweder bin ich durch den Pollenanflug so benebelt, dass ich vor allem Rottöne überzogen sehe, oder die Tulpen knallen wirklich so rein. Ich habe die Blüten des Zwiebelgewächs etwas anders in Erinnerung. Vielleicht liegt es auch am Licht, ein buntes Durcheinander aus Lichtung und Schatten. Nase schniefend und unter blankem Erstaunen trotte ich ganz auf mich allein gestellt durch Alt-Marzahn und beknipse die volle Farbenpracht …

Foto: 2010 Ronald Puhle
Die Woche startete ich mit einer Nachlese zum Valentinstag. Warum auch immer gehörte eine Tulpe zum Artikel … vielleicht als angemessene Würdigung des Blumen-Fachhandels … weshalb ich die Arbeitswoche mit demselben Motiv ausklingen lasse. Diesmal habe ich meine digitale Schere angesetzt und zum Kleinbildformat einen quadratischen Beschnitt angefertigt. Wirklich festlegen, welcher Variante ich favorisiere, möchte ich nicht.


Foto: 2010 Ronald Puhle
Weitaus wichtiger war mir endlich etwas mehr Licht sprechen zu lassen. Dabei sollte es nicht so plump zu gehen, einfach nur die Lichter absaufen zu lassen. Die Kameraeinstellungen waren so gewählt, dass die hellen Partien kurz vor Anschlag am Weißpunkt liegen. Den Rest erledigt eine Cross Processing-Simulation. Vielleicht zeige ich einmal in einem Artikel, was ich immer damit meine … in der nächsten Woche ist fünf Tage Urlaub angesagt und damit eigentlich Zeit vorhanden. Doch uneigentlich sieht es mittlerweile anders aus …
In der mir gewohnten Art den qualifizierten Spätzünder zu mimen, gehe ich heute auf den gestrigen Tag der Liebenden … auch als Valentinstag bekannt … ein. Keine Angst, ich nörgle nicht am kommerziellen Hintergedanken herum. Im selben Atemzug könnte ich mich am Weihnachtsmann zu schaffen machen. Wobei: Die Idee ist so einfach wie genial, dass ich überlege den Knipsentag einzuführen. Und so geht er vonstatten: Jeder der freihändig eine Kamera halten kann beknipst seine Liebsten, pimpt das Meisterwerk am Computer bis zum Umfallen und druckt es auf teures Pseudo-Fotopapier. Am Knipsing-Day überreicht Mann oder Frau das Prachtstück und es bleibt solange auf dem Wohnzimmertisch stehen, bis es völlig verblichen ist.
Gut, ich kann es nicht lassen und muss einfach nachtreten. Ich möchte aber keine Ideale der Liebenden oder Weihnachtsmann-Gläubigen zerstören … WIRKLICH!!! Sei es drum, ohne den Gedanken der Rache in mir zu tragen, doch mit mir wird ja auch nicht anders umgegangen. Man könnte daraus fast ein Drama zu Papier bringen: “Kleine Tritte! Große Tritte!”. Zunächst nur als Film geplant, schließt sich eine Serie für das quotenträchtige Vorabendprogramm an. Und bevor sich der nächste große Tritt ankündigt, erschallt großes musikalisches Trara und Halali! Die Zuschauer müssen bei der Stange gehalten werden, auch wenn sich am nächsten Tag herausstellt, dass mir lediglich ein Popel in der Nase gewaltig quer lag.
Ich hasse solche und ähnlich gelagerte Konstrukte. Vor über zehn Jahren war ich der Mitbegründer einer Kinder-Webseite (sie existiert noch heute) und hatte die Aufgabe des Webmasters übernommen. Nachdem ein anderes Gründungsmitglied der Meinung war, einen von Erwachsenen kontrollierten Kinderchat anzulegen, musste ich passen. HTML, Java und wie das ganze Zeugs heisst ist nicht mein Ding. Also zog ich mich zurück, was dem Leithammel des Projekts missfiel. Um mich ganz aus dem Projekt zu kegeln, konstruierte er einen absurden Vorwurf: Mein Link zu dem Projekt und die Nackig-Fotografien suggerieren und unterstützen Kinderpornografie. Mir fiel bei der Denkweise fast die Kinnlade herunter und brach umgehend den Kontakt zum nunmehr Alleinherrscher ab.
Man sieht sich zweimal im Leben … sagt der Volksmund. Vor ein paar Jahren wurde besagter Mitmensch, der sich noch heute als alleiniger Gründer und Ideenlieferant feiern lässt, mit demselben Vorwurf konfrontiert. Das wieso und warum war mir egal. Es sollen Vorwürfe in der weltweiten Tratsche Internet laut geworden und sogar die Justiz eingeschaltet worden sein. Da das Projekt noch heute online ist und Mann sich noch heute feiern lässt, muss sich das Gerücht als verbales Irrkonstrukt herausgestellt haben. Vielleicht hat sich aber Besagter daran erinnert, dass er selbst mit diesen Mitteln agiert hat.
Am letzten Freitag war meine Meinung zu einer neuen Webseite gefragt. Ich gab sie gerne ab … in einem privaten Chat und ohne dass der Inhalt nach Außen ging. Sicherlich ist es schwierig negative Kritik zu verarbeiten, wenn ein paar Wochen Arbeit in solch einer Homepage stecken. Doch wenn mich Laufschriften nerven oder Inhalte Dank zu kleiner Schriften und nur bei voll entfalteten Browser zu lesen sind, dann kann ich ehrlicherweise nicht des Lobes verfallen. Genauso wenig lassen sich schlechte Fotos nicht durch Effekthaschereien aufwerten, sondern gehören in meinen Augen in den Sondermüll.
Egal ob bei Buchrezensionen oder Softwaretest: Ich gehe immer davon aus, dass die Macher sich irgendetwas dabei gedacht haben. Von der Warte aus respektiere ich den Schöpfungsprozess an sich. Wenn ich jedoch persönlich und privat um meine Meinung gebeten werde, lege ich dieses Level niedrig … es hört beziehungsweise liest kein anderer ausser der Fragende selbst. Daraus dann den Fall zu konstruieren, ich würde jemanden nur seelisch fertig machen wollen ist nicht nur absurd. Es ist für mich wieder ein Alarmzeichen, den Kontakt konsequent abzubrechen. Ich bin privat kein Heuchler, der dem lieben Frieden Willen sich in Süssholz raspeln ergibt. Und wenn ich meinen bescheidenen aber kleinen Ruf aufs Spiel setze, dann bitte in Eigeninitiative …

Foto: 2010 Ronald Puhle
Sicherlich verbucht jeder Mitmensch gerne positive Kritik für sich. Subjektive Meinungen a la Gefallen, Nichtgefallen, schön, hässlich und so weiter sind Argumente, deren Wichtungsfaktor nur für diejenigen von Interesse ist, der für die breite Masse produziert. Am Ende kann nur Durchschnitt und nichts individuelles dabei herauskommen. Wenn Kritik, egal ob positiv, negativ, konstruktiv oder destruktiv, nicht auf derselben Augenhöhe erfolgt, wird eine der beteiligten Seite immer das Gefühl der Unterlegenheit verspüren. Sie kann letztlich zu den oben beschriebenen Reaktionen führen.
Dem eventuellen Eindruck, ich sehe mich in den geschilderten Fällen als der “Überlegenere” an, möchte ich entschieden entgegen treten. In beiden Fällen sehe ich mich als Verlierer … im doppeldeutigen Sinn. Ich wurde gefragt, habe gesagt und verloren … zeitweise Mitstreiter, an denen gewisse Hoffnungen geknüpft waren beziehungsweise sind. Damit verliert mein Leben an einer gewissen Qualität … egal ob im Prozent- oder Promillebereich. Wer immer eine Frage stellt, sollte mit einer unbequemen Antwort rechnen. Und: Je mehr Gewicht eine Frage hat, umso schmerzlicher kann die Antwort ausfallen.
An der Stelle schließt sich für mich der Kreis zum Valentinstag. Die große Frage nach der Liebe zu einem anderen Menschen kann positiv wie negativ beschieden werden. Damit muss Mann und Frau rechnen. Und selbst wenn auf die Frage ein Ja folgt, heisst es noch lange nicht, dass die Liebe für ewig ist. Es kann der Tag kommen, wo man feststellt, dass sie irgendwo in der zurückliegenden Zeit liegen geblieben ist. Wieder stellst sich eine Frage, die vielleicht nichts Gutes in der Antwort trägt. Doch es kommt der Zeitpunkt, wo man sich auch ihr stellen muss …