Thursday, September 09, 2010 06:15

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Blick durch das Halbrund (II)

Donnerstag, März 18th, 2010

Wie es mein Blick durch das Halbrund (I) erahnen lässt, gibt es eine Fortsetzung. Nach einem turbulenten Freitag, der alles andere wie geplant verlaufen ist, habe ich mir meine Kamera und das Walimex Fish Eye-Objektiv geschnappt und bin bei K(l)eingeld im Probenraum eingeflogen. Für mich war es der erste Großeinsatz mit diesem Objektiv. Von jeder Elektronik entkernt bedeutet das für mich, Blende und Scharfstellung manuell zu wählen.

Mit dieser Arbeitsweise habe ich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Das Absetzen der Kamera und Nachschauen, welche Einstellung gerade gewählt wurde, gibt mir auch Zeit über das Motiv und meine Absicht nachzudenken. Keine Automatik funkt mir dazwischen … ich bin selbst meiner Aufnahmen Schmied. Da die Lichtverhältnisse im Probenraum äußerst bescheiden sind, streut mein Blitzgerät auf dem zweiten Vorhang -3 LW im i-TTL-Modus diffuses Licht in den Raum.

Ich konnte und wollte nicht die Finger davon lassen, vereinzelt mit Belichtungszeiten bis zu einer Sekunde zu arbeiten. Neben den Spuren der Bewegungsunschärfe bringt der minimale Blitzlichteinsatz Geisterbilder in die Aufnahme, die zwar scharf, aber eher wie eine Mehrfachbelichtung wirken. Doch nicht nur die probenden Bandmitglieder musste ich im Auge behalten. Dank des Öffnungswinkels zieren meine Füsse, Bauch und der Kamera-Tragegurt einige Aufnahmen … :)

Tom und Chris von K(l)eingeld

Sängerin Katrin und Bassist Tom (Band K(l)eingeld)

180° Blick durch ein Fish Eye-Objektiv

Fotos: 2010 Ronald Puhle

Blick durch das Halbrund (I)

Sonntag, März 14th, 2010

Letzten Freitag habe ich mir vorgenommen, entspannt an sechs Artikelseiten zu arbeiten. Zu einem Drittel habe ich bereits Buchstaben zu Wörtern aneinander gereiht, ein weiteres Drittel lagert in meinem Kopf und der verbleibende Rest ist harte Autorenarbeit. Doch da waren noch die ungelösten Probleme mit meinen beiden externen Festplatten, die ich fortan via eSATA betreiben wollte. Während ich an einer Lösung suchte, wurde ich zu allem Überfluss im Messenger auch noch blöd angemacht. Irgendwie scheinen meine Gedankengänge und das von mir elektronisch praktizierte Deutsch extrem missverständlich zu sein.

Nachdem besagtes Problem gelöst und ich noch keinen einzigen neuen Satz an meinen Artikeln geschrieben habe, war mir jede weitere Lust daran vergangen. Ich musste mich ablenken und erkor das mittägliche Fernsehprogramm dazu aus. Immerhin cruist Schumacher mit Vollgas durch die Kurven und gleich sind 23 andere Fahrer kaum noch eine Erwähnung wert. Man sollte meinen, dass während dieses seelischen Hängers eine positive Nachricht vom Verlag für eine deutliche Stimmungsaufhellung und neuen Motivationsschub sorgt. Stattdessen ruft sie Reaktionen im Umfeld hervor, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Das Rein und Raus aus den Kartoffeln trotz mehrmaliger Rückfrage ist einfach nicht mein Ding. Ich brauche meine Linie und was gegen diesen Strich geht, ruft Kurzschlussreaktionen bei mir hervor.

Nach einem inneren Feuerwerk stand mir der Sinn nach Knipsen. Ich wollte meinen Frust mit der Kamera abreagieren und das Fish Eye-Objektiv ausprobieren. Und so rückte ich mit einem Kasten Schlummifix bewaffnet im Probenraum der Berliner Rockband K(l)eingeld ein. Der 180°-Blick ins Halbrund übt derzeit eine so große Faszination in mir aus, dass ich an diesem Abend fast ausschließlich mit diesem Objektiv gearbeitet habe. Zwischen biergetränktem Small Talk und lauter Rock-Musik war der Frust über die Launenhaftigkeit meines Lebens schnell überwunden. Trotz des Ertränken allen Frustes wusste ich, für die nächste Aufgabe alleine dazustehen und mit Bravour einiges Porzellan zerschlagen zu haben … :(

Im Probenraum der Berliner Rockband K(l)eingeld

Aufnahme mit dem Fish Eye Objektiv

Langzeitbelichtung mit Blitz auf dem zweiten Verschluss

Gitarrist und Sänger Chris von der Berliner Rockband K(l)eingeld

Fotos: 2010 Ronald Puhle

Vom Durcheinander zur Serie sortiert

Freitag, November 27th, 2009

Über ein Jahr habe ich bisher die Berliner Rockband K(l)eingeld mit der Kamera begleitet. Neben Aufnahmen bei ihren Konzerten entstanden auch viele Fotos während der Bandproben. Insbesondere für das Nikon Systemblitz-Technik-Buch konnte ich die oft widrigen Lichtbedingungen dazu nutzen, mit den Kamera- und Blitzeinstellungen zu spielen. Vor allem im Zusammenhang mit längeren Belichtungszeiten und dem Blitzen auf den zweiten Vorhang entstanden Aufnahmen, die mir heute als Ideenlieferanten für das “Motorik des Bildes“-Projekt dienen.

Man könnte meinen, nach einem Jahr mehr oder minder intensiven Zusammenarbeitens sei die Luft bei mir raus. Doch dem ist nicht so. Sicherlich wiederholen sich bestimmte Abläufe, Gesten und so weiter, die nicht weiter im Bild ausgebaut werden müssen. Auf der anderen Seite gibt es noch genügend Baustellen, die noch nicht abgeschlossen sind. Es betrifft im Wesentlichen die Sängerin Katrin und den Schlagzeuger Christian. Obwohl Frontfrau Katrin immer an vorderster Stelle zu finden ist, wird ihr Gesicht meist vom Mikrofon verdeckt. Entdeckt Katrin, dass ich die Kamera auf sie richte, ändert sich sehr schnell … zu schnell ihre Mimik. Bei Christian ist es das Schlagzeug.

Sängerin der Berliner Rockband K(l)eingeld

Foto: 2009 Ronald Puhle

Zur Zeit arbeitet K(l)eingeld an neuen Songs und für ein Lied habe ich sogar einen Text beigesteuert. Mal schauen, ob daraus wirklich etwas “Fertiges” wird, was die rockenden Fünf auf ihren Konzerten spielen. Obwohl mehrere Leute am Entstehen eines neuen Liedes arbeiten, ähnelt sich der kreative Prozess mit meiner Arbeit. Nach und nach wird aus einer Idee ein neues Stück … oder wird als nicht ausgereift wieder verworfen.

Katrin singt

Foto: 2009 Ronald Puhle

Im nächsten Jahr feiert K(l)eingeld sein fünfjähriges Bandjubiläum. Angeregt durch einen kleinen Bildband, den ich zum Einjährigen der Bildreportage K(l)eingeld angefertigt habe, haben wir ein gemeinsames Projekt beschlossen. Somit ist ein neues Ziel unserer Zusammenarbeit gesteckt … :D

Gitarrist und Bassist der Berliner Rockband K(l)eingeld

Foto: 2009 Ronald Puhle

Vertauschte Rollen

Montag, Juni 29th, 2009

Lange habe ich mich als Bandmitglied ehrenhalber bei K(l)eingeld nicht mehr blicken lassen. Die Arbeiten an dem Buch fordern ihren Tribut und die vier Berliner Rocker und eine Rockerin müssen darunter leiden.

Katrin - Sängerin der Berliner Rockband K(l)eingeld

Foto: 2009 Ronald Puhle

Ich weiss nicht wann, aber mir kam die Idee, am nächsten Freitag die rockenden Fünf mal wieder zu besuchen … inklusive einer kleinen Überraschung. Da ich weiss, dass die Dame und Herren Musiker gelegentlich meinen allseits beliebten Muschitoaster lesen und ich mir nicht die Vorfreude nehmen lassen möchte, schweige ich mich an dieser Stelle mal aus.

Katrin - Sängerin der Berliner Rockband K(l)eingeld

Foto: 2009 Ronald Puhle

Trotzdem könnte es gut sein, dass K(l)eingeld im Vorfeld erfährt, wieso, weshalb und warum ich am Freitag bei ihnen aufschlage. Das Internet verzeiht nix … :)

PS: Der Titel des Artikels rührt daher, dass die Sängerin Katrin gelegentlich auch mal ans Schlagzeug wechselt …

Mit einer Portion Wut im Bauch …

Samstag, Mai 16th, 2009

Ein wichtiger Hinweis vorab: Am kommenden Freitag (22. Mai 2009) spielt die Berliner Rockband K(l)eingeld im Rahmen des Emergenza-Festivals 2009 im SO36 (Berlin, Oranienstr. 190). Jede Stimme und verkaufte Karte zählt … :)

Nachdem das Buchprojekt unter marketingstrategischen statt inhaltlichen Aspekten geschrieben werden soll, war für mich die letzte Woche gelaufen. Warum beschweren sich Verlage über mangelnde Käufer, wenn sie selbst an ihrem Grab schaufeln? Man muss sich doch nur die zahlreichen Ergebnisse in den Online-Galerien anschauen … irgendwo muss sich in den Köpfen etwas ändern. Das kostenpflichtige Teletubbie-Niveau kann auf Dauer nicht gut gehen. Wer was besseres wünscht, muss daran arbeiten und dazulernen. Zum Nulltarif, auf Knopfdruck oder im Technikglauben geschieht da nichts …

Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch chauffierte mich meine Angetraute in den Probenraum. Sie muss zur Zeit wohl am meisten unter meiner Unzufriedenheit leiden. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten und einer halbstündigen Rauchersession im Vorraum hatte ich in den nächsten 1 1/2 Stunden den Spass wiedergefunden, etwas mit den Kameraeinstellungen zu spielen. Genau diesen Spass möchte ich im besagten Buch herüberbringen und nicht zwangsweise über nutzlose Motivprogramme philosophieren. Man sollte für das vollautomatische Geknipste mit dem Handy, Kompakte & Co. einen neuen Begriff kreieren: Pixelhaschen mit Augenkrebs oder so.

Sicherlich wird das technisch präzise Auge der Alleskönner meinen, dass das nachfolgende Geknipste genauso gut in diese Kategorie passt und er es ebenso gut, wenn nicht sogar besser hinbekommt. Richtig: Hingesetzt und selbst getan. Ich für meinen Teil habe eine Menge Fotos geschossen, bis das erhoffte Ergebnis eintrat. :)

Bandprobe K(l)eingeld ... Tom

Bandprobe K(l)eingeld ... Chris

Bandprobe K(l)eingeld ... Marius

Fotos: 2009 Ronald Puhle

In den letzte Wochen war das Thema Geisterbilder im TV präsent. Zwar nicht wirklich gewollt konnte ich etwas ähnliches erzeugen. Die Kamera war auf 1 Sekunde Belichtungszeit und der Blitz auf den zweiten Vorhang eingestellt. Man muss zweimal hinsehen, um K(l)eingeld-Frontfrau Katrin zwischen dem Schlagzeug zu erkennen. Die Belichtung begann mit ihr, während der Blitz beim Blick auf das Schlagzeug folgte.

Bandprobe K(l)eingeld ... Katrin

Foto: 2009 Ronald Puhle

Egal ob Frust der letzten Tage im Hinterkopf mich antrieb, in erster Linie wollte ich Bewegungen und die Dynamik der Musiker einfangen. Im Gegensatz zur blitzlosen Langzeitbelichtung aus der Hand sollten wenige Details gut erkennbar sein. Mit dem Ergebnis kann ich zu diesem Zeitpunkt leben … :)