Nachlese zum Valentinstag
Montag, Februar 15th, 2010In der mir gewohnten Art den qualifizierten Spätzünder zu mimen, gehe ich heute auf den gestrigen Tag der Liebenden … auch als Valentinstag bekannt … ein. Keine Angst, ich nörgle nicht am kommerziellen Hintergedanken herum. Im selben Atemzug könnte ich mich am Weihnachtsmann zu schaffen machen. Wobei: Die Idee ist so einfach wie genial, dass ich überlege den Knipsentag einzuführen. Und so geht er vonstatten: Jeder der freihändig eine Kamera halten kann beknipst seine Liebsten, pimpt das Meisterwerk am Computer bis zum Umfallen und druckt es auf teures Pseudo-Fotopapier. Am Knipsing-Day überreicht Mann oder Frau das Prachtstück und es bleibt solange auf dem Wohnzimmertisch stehen, bis es völlig verblichen ist.
Gut, ich kann es nicht lassen und muss einfach nachtreten. Ich möchte aber keine Ideale der Liebenden oder Weihnachtsmann-Gläubigen zerstören … WIRKLICH!!! Sei es drum, ohne den Gedanken der Rache in mir zu tragen, doch mit mir wird ja auch nicht anders umgegangen. Man könnte daraus fast ein Drama zu Papier bringen: “Kleine Tritte! Große Tritte!”. Zunächst nur als Film geplant, schließt sich eine Serie für das quotenträchtige Vorabendprogramm an. Und bevor sich der nächste große Tritt ankündigt, erschallt großes musikalisches Trara und Halali! Die Zuschauer müssen bei der Stange gehalten werden, auch wenn sich am nächsten Tag herausstellt, dass mir lediglich ein Popel in der Nase gewaltig quer lag.
Ich hasse solche und ähnlich gelagerte Konstrukte. Vor über zehn Jahren war ich der Mitbegründer einer Kinder-Webseite (sie existiert noch heute) und hatte die Aufgabe des Webmasters übernommen. Nachdem ein anderes Gründungsmitglied der Meinung war, einen von Erwachsenen kontrollierten Kinderchat anzulegen, musste ich passen. HTML, Java und wie das ganze Zeugs heisst ist nicht mein Ding. Also zog ich mich zurück, was dem Leithammel des Projekts missfiel. Um mich ganz aus dem Projekt zu kegeln, konstruierte er einen absurden Vorwurf: Mein Link zu dem Projekt und die Nackig-Fotografien suggerieren und unterstützen Kinderpornografie. Mir fiel bei der Denkweise fast die Kinnlade herunter und brach umgehend den Kontakt zum nunmehr Alleinherrscher ab.
Man sieht sich zweimal im Leben … sagt der Volksmund. Vor ein paar Jahren wurde besagter Mitmensch, der sich noch heute als alleiniger Gründer und Ideenlieferant feiern lässt, mit demselben Vorwurf konfrontiert. Das wieso und warum war mir egal. Es sollen Vorwürfe in der weltweiten Tratsche Internet laut geworden und sogar die Justiz eingeschaltet worden sein. Da das Projekt noch heute online ist und Mann sich noch heute feiern lässt, muss sich das Gerücht als verbales Irrkonstrukt herausgestellt haben. Vielleicht hat sich aber Besagter daran erinnert, dass er selbst mit diesen Mitteln agiert hat.
Am letzten Freitag war meine Meinung zu einer neuen Webseite gefragt. Ich gab sie gerne ab … in einem privaten Chat und ohne dass der Inhalt nach Außen ging. Sicherlich ist es schwierig negative Kritik zu verarbeiten, wenn ein paar Wochen Arbeit in solch einer Homepage stecken. Doch wenn mich Laufschriften nerven oder Inhalte Dank zu kleiner Schriften und nur bei voll entfalteten Browser zu lesen sind, dann kann ich ehrlicherweise nicht des Lobes verfallen. Genauso wenig lassen sich schlechte Fotos nicht durch Effekthaschereien aufwerten, sondern gehören in meinen Augen in den Sondermüll.
Egal ob bei Buchrezensionen oder Softwaretest: Ich gehe immer davon aus, dass die Macher sich irgendetwas dabei gedacht haben. Von der Warte aus respektiere ich den Schöpfungsprozess an sich. Wenn ich jedoch persönlich und privat um meine Meinung gebeten werde, lege ich dieses Level niedrig … es hört beziehungsweise liest kein anderer ausser der Fragende selbst. Daraus dann den Fall zu konstruieren, ich würde jemanden nur seelisch fertig machen wollen ist nicht nur absurd. Es ist für mich wieder ein Alarmzeichen, den Kontakt konsequent abzubrechen. Ich bin privat kein Heuchler, der dem lieben Frieden Willen sich in Süssholz raspeln ergibt. Und wenn ich meinen bescheidenen aber kleinen Ruf aufs Spiel setze, dann bitte in Eigeninitiative …

Foto: 2010 Ronald Puhle
Sicherlich verbucht jeder Mitmensch gerne positive Kritik für sich. Subjektive Meinungen a la Gefallen, Nichtgefallen, schön, hässlich und so weiter sind Argumente, deren Wichtungsfaktor nur für diejenigen von Interesse ist, der für die breite Masse produziert. Am Ende kann nur Durchschnitt und nichts individuelles dabei herauskommen. Wenn Kritik, egal ob positiv, negativ, konstruktiv oder destruktiv, nicht auf derselben Augenhöhe erfolgt, wird eine der beteiligten Seite immer das Gefühl der Unterlegenheit verspüren. Sie kann letztlich zu den oben beschriebenen Reaktionen führen.
Dem eventuellen Eindruck, ich sehe mich in den geschilderten Fällen als der “Überlegenere” an, möchte ich entschieden entgegen treten. In beiden Fällen sehe ich mich als Verlierer … im doppeldeutigen Sinn. Ich wurde gefragt, habe gesagt und verloren … zeitweise Mitstreiter, an denen gewisse Hoffnungen geknüpft waren beziehungsweise sind. Damit verliert mein Leben an einer gewissen Qualität … egal ob im Prozent- oder Promillebereich. Wer immer eine Frage stellt, sollte mit einer unbequemen Antwort rechnen. Und: Je mehr Gewicht eine Frage hat, umso schmerzlicher kann die Antwort ausfallen.
An der Stelle schließt sich für mich der Kreis zum Valentinstag. Die große Frage nach der Liebe zu einem anderen Menschen kann positiv wie negativ beschieden werden. Damit muss Mann und Frau rechnen. Und selbst wenn auf die Frage ein Ja folgt, heisst es noch lange nicht, dass die Liebe für ewig ist. Es kann der Tag kommen, wo man feststellt, dass sie irgendwo in der zurückliegenden Zeit liegen geblieben ist. Wieder stellst sich eine Frage, die vielleicht nichts Gutes in der Antwort trägt. Doch es kommt der Zeitpunkt, wo man sich auch ihr stellen muss …


