Thursday, September 09, 2010 06:00

Posts Tagged ‘Mein Tagebuch’

Tag 71

Samstag, Januar 30th, 2010

Ich bin irritiert. Ist die Menschheit im Teletubbie-Zeitalter angekommen und nicht mehr in der Lage, auf dem natürlichen Weg (kurz Kopf genannt) 1 + 1 zusammenzurechnen? Wie in einem gutgemachten Horrorfilm höre ich Antworten wie: “Naja … irgendwas zwischen 1 und 3 muss rauskommen”. Muss für die algebraische Grundoperation, die übrigens Lehrziel jeder ersten Klasse einer deutschen Grundschule ist, ein Taschenrechner bemüht oder eine 500 Seiten Schwarte geschrieben werden? Brauche ich für vier gleichlange Lego-Steine eine Bauanleitung, um daraus einen Quader zu basteln? Der einfachste Fall wäre es doch, sie übereinander zu stapeln. Der Clou dabei: Ich müsste mir noch nicht einmal Gedanken über die Reihenfolge der Kunststoffklötzer machen. Es klingt für mich logisch, doch gilt das auch für Andere?

Wenn ich mit 50 Stundenkilometer durch ein Wohngebiet (Tempo 30-Zone) fahre, sollte mir als Führer des Automobils klar sein, dass das Risiko eines Unfalls ungleich höher ist als bei der vorgeschriebenen Geschwindigkeit. Es muss ja nicht unbedingt einen Menschen treffen. In der Regel sind die Strassen in solchen Wohngebieten schmal. Somit besteht bei überhöhter Geschwindigkeit die Gefahr, zufällig geparkte Autos zu treffen. Tritt der Fall ein, hat natürlich der Parkende Pech gehabt: “Was stellt er auch das Auto genau dorthin?”

Ich betrachte die eigentlich verursachenden Zusammenhänge als logisch und benötige keine weitere detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Im Gegenteil: Da sich Kinder im Spiel wenig um den “beruhigten” Strassenverkehr kümmern, sollte die Geschwindigkeit fairerweise unterhalb den erlaubten 30 Stundenkilometer liegen. Das wäre vernünftig und weitsichtig, auch wenn der Fahrer etwas mehr Fahrzeit benötigt. Es klingt logisch, aber bin ich in Sachen Vorsicht übermotiviert?

Ein anderes Beispiel. Ich lebe in einer festen, nicht offenen Beziehung. Das heisst soviel wie Treue zum Lebensabschnittsgefährten. Wenn sich ein Partner nicht daran hält und seine sexuelle Befriedigung woanders sucht, dann stellt das einen Vertrauensbruch dar. Kommt das Ganze heraus, führt es wohl zu einem handfesten Beziehungsproblem. Die Form möglicher Konsequenzen lasse ich einmal aussen vor. Nur muss Mann beziehungsweise Frau mit Konsequenzen rechnen und darf am Ende nicht so tun, als sei nichts Besonderes passiert. Egal worin die Ursache der Untreue zu suchen ist, das Vorangestellte klingt aus meiner Sicht logisch.

Wenn ich vier Freiheitsgrade an einer Kamera besitze … nenne ich sie mal ganz willkürlich Blende, Belichtungszeit, Empfindlichkeit und Licht … und diese können unterschiedlich abgestuft werden, ergeben sich daraus eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten. Ich neige fast dazu von annähernd unendlichen Kombinationen zu reden. Genügt es nicht die Freiheitsgrade und ihre Wirkung zu kennen, um daraus logisch kombiniert seine eigenen Schlüsse zu ziehen?

An der Stelle muss ich mich selbst unterbrechen … denn hier liegt ein Denkfehler meinerseits vor. Ein Technik-Freak denkt so. Der Fotograf sieht es anders, denn er selbst ist der fünfte und dominierende Freiheitsgrad. Erst an dem Punkt angekommen wird die vorherige Aussage logisch, obwohl sie eher etwas mit dem Charakter des Fotografen zu tun hat.

Ich bin etwas am verzweifeln. Wenn ich mein neues Fish Eye-Objektiv aufsetze und damit bei großer Blendenöffnung hautnah an den Aschenbecher rücke, dann kann ich trotz kurzer Brennweite keine scharfe Abbildung erwarten. Man mag es die Verquickung ungünstiger Umstände nennen … oder auch Dilettantismus. Angesichts des knappen Lichtes war ich dazu gezwungen. Doch für viel wichtiger erachte ich meine Absicht als Fotograf: Mein Fish Eye verzerrt den Aschenbecher zu überdimensionalen Comic-Lippen! Genau diesen Effekt wollte ich bei den ersten Probeaufnahmen sehen. In dem Fall ist die Sache rund, logisch oder was auch immer … :evil:

Aufnahme mit kurzer Distanz

Foto: 2010 Ronald Puhle

Manchmal muss ich über verbale Rückkopplungen eine Nacht schlafen, um sie ansatzweise zu verstehen. Nachdem mein Gehirn eine Denkpause eingelegt hat, erscheint einiges logisch … wenn auch inkonsequent. Da kaufen sich zum Beispiel Knipser Amateure eine Kamera aus der Profi-Liga und sind im voll- und teilautomatischen Modus knipsend ernsthaft der Meinung, mindestens in die semiprofessionelle Klasse aufgestiegen zu sein. Sorry, ich bin da anderer Meinung. Von einem Automaten kann ich keinen kreativen Output erwarten. Er kann zwar Dank einer gewissen (elektronischen) Logik so tun als ob. Unter dem Strich bleibt es ein Automat … egal ob in der Kamera, am Fließband oder als “Sicherheitstechnik” in einem Automobil.

Ich degradiere Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit seit meiner ersten Spiegelreflexkamera zu hörigen Untergebenen. Mit meinem eingeschränkt bescheidenen Horizont lasse ich das Licht sprechen und interpretiere Motive nach meinem Gusto. Genau der Punkt scheint für mich die logische Konsequenz zu sein, weshalb ich überhaupt fotografiere. Ich bin deshalb kein Rebell, Widerstandskämpfer oder Querdenker. Ich mache mir die Technik zum Untertan … etwas freundlicher klingt: zum Werkzeug … und versuche sie nach besten Wissen und Gewissen in meinem ureigenen Interesse zu gebrauchen. In dem Sinne ist sie für mich wohl eher ein Gebrauchsgegenstand und ich ihr Nutzer … und nicht umgekehrt!

Tag 68

Dienstag, Januar 12th, 2010

Irgendwie verläuft mein Start ins neue Jahrzehnte etwas schaumgebremst. Gut, bekannt ist, dass ich hochgradig leistungsmüde bin. Das heisst nicht, dass ich mich der Leistungserbringung widersetze. Besser formuliert wäre es deshalb: Mehr und mehr verweigere ich mich der Leistungsverschwendung. An erster Stelle der Ressourcenvergeudung steht die elektronische Kommunikation. Das hereingetragene Muss via Instant Service Messenger, Twitter & Co. ständig präsent zu sein steht für mich im keinen Verhältnis zum Nutzen. Und so schaue ich nur noch gelegentlich nach, ob mich irgendjemand vermisst und mir etwas wichtiges zu sagen hatte. Die Erfolgsquote liegt bei unter ein Promille.

Am Wochenende hatte ich mir einiges von Daisy versprochen: Die Schneemassen stürzen über Berlin hinein, ohne das Treppenhaus zu benutzen kann ich vom Fenster aus auf die Strasse rutschen und Landesvater Klaus lässt für eine Woche alles ruhen. Trotz der großspurigen Ankündigung: “Ganz Deutschland zittert vor Daisy” bliebt der Traum absolut unerfüllt. In meinem Verweigerungswahn wünschte ich mich am Sonntag an die Ostsee … in ein vom Schnee eingeschlossenes Dorf oder so. Draussen ist alles im meterhohen Schnee versunken und nur noch das Feuer im altehrwürdigen Küchenherd spendet wohlige Wärme. Wie zu Steinzeit-Zeiten gibt es kein Telefon, Internet oder elektrischen Strom. Nur Kerzen spenden Licht beim Lesen eines spannenden Buches. Trotz aller negativen ökologischen Bilanzen: Ich wünsche mir den guten alten Kachelofen nebst Briketts zurück. Ich liebe den Geruch sich in Rauch auflösender Kohle.

Selbst die eigene Familie setzt mich unter einen gewissen Leistungsdruck. “Wir haben dir was mitgebracht” sagte meine große Tochter zu mir und stellte eine Büchse erotisch angehauchtes Red Bull auf den Schreibtisch. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erwartet man meine Reaktion. Nur meine Angetraute macht eine gute Miene zum bösen Spiel. Sie ahnt, wie ich aus dem Stand darauf reagiere: “Toll, die ziehe ich mir jetzt rein und verbringe den Samstag mit eurer Mutter im Bett”. An den rollenden Augen der Angetrauten erkenne ich, dass sie auf ihre Art ebenfalls einem gewissen Leistungsdruck zu entfliehen versucht.

Tag 68 - Meintagebuch

Warum wirft der weibliche Part meiner Familie Geld für Dinge raus, die bei mir gewisse Begehrlichkeiten hervorrufen … wohlwissend, dass die dafür von mir gewünschte weibliche Begleitung nicht gewillt ist, daran teilzuhaben. Es sollte doch klar sein, dass ich nach der Einnahme des Sexergy-Drinks den restlichen Samstag nicht mit einem Solo “Fünf gegen Willy” verbringen möchte. Muss, soll oder darf ich mir zukünftig für diesen Traum eine willige Gespielin suchen? Ich bin irritiert!

Schon den Jahreswechsel wollte ich einfach nur im Bett verbringen. Immerhin war das absolvierte Jahrzehnt für mich ziemlich anstrengend. Und nun steht mir ein Jahrzehnt bevor, in dem ich beherzt auf die Fünfziger-Marke zu rase. Mein innigster Wunsch scheitert jedoch am Veto meiner Angetrauten. So bin ich in Sachen Leistungsverweigerung nicht nur Täter, sondern auch ein bedauernswertes Opfer. Da hilft selbst ein Energy-Drink nicht weiter …

Tag 64

Freitag, November 20th, 2009

Obwohl diese Woche dank Gleittag einen Arbeitstag kürzer war als gesetzlich vorgeschrieben, fühle ich mich wie nach 10 Werktage-Dauerstress. Jeden Tag war irgendetwas los. Unseren Betonpalast habe ich im Dunklen verlassen und bin im selben Dämmerungszustand dort wieder eingetroffen. Wenn es nicht dienstliche Belange und nebenberufliche Verpflichtungen waren, dann kamen irgendwelche Hiobsbotschaften aus dem engsten Familienkreis. So ist meine Angetraute noch eine weitere Woche krankgeschrieben. Ich fühle mich mittlerweile genauso schlapp und ausgebrannt, dass ich mich im ehelichen Schlafgemach einfach neben sie legen könnte. Zu allem Überfluss bin ich in dieser Woche zweifacher Meerschwein-Opa geworden.

Den Anfang machte Baguette. Wie ein Abbild des potentiellen Vaters brachte sie pünktlich zum Wochenbeginn das kleine Brikett zur Welt. Zwei Tage später folgte Bruno. Auch hier hat unsere Bumsratte erbarmungslos zugeschlagen. Ich frage mich: Warum sind männliche Wesen ausschließlich darauf programmiert, sich permanent fortpflanzen zu wollen. Dieser vierbeinige Hempfling von Meerschwein hat sich sogar an unserem Super-Meerschwein Bruno vergangen und die alte Dame geschwängert.

Obwohl ... sie ist nicht wirklich eine Meersau

Bruno ist kein Meerschwein im klassischen Sinne. Wie eine Diva hat sich die Dame dagegen verwehrt, weitere Artgenossen in ihr angestammtes Domizil aufzunehmen. Madame möchte einen eigenen Wohnbereich mit abgetrennter Rückzugsmöglichkeit. Natürlich muss es ein Gehege aus biologisch wertvollem Holz sein, ohne Chemie und so. Meerschweindame Bruno ist eigentlich permanent am Fressen und doppelt so groß wie ihr Begatter. Trotzdem hat es der vervielfältigungsgeile Bock geschafft, ihr ihre Unschuld zu nehmen.

Dank der Starallüren steht Brunos Gehege im Wohnzimmer. Normalerweise hat sie ihren Stammplatz auf der Loggia. Doch Frau Kurzhaarfell soll es ja warm haben. So im Kreis der menschlichen Familie aufgerückt, möchte sie auch am selbigen Leben aktiv teilhaben. Also schleicht Bruno auf ihren kurzen Beinen über die cremeweisse Auslegeware. Treudoof schaut sie nach oben, wenn ihr danach ist, von den Anwesenden betuddelt zu werden. Bruno ist quasi stubenrein. Für ihr Geschäft bemüht sich Frau Tongtong in das eigene Gehege und erledigt es dort. Obwohl Bruno für ein Meerschwein einen gewaltigen Knall hat, ist ihre Erziehung und das Benehmen erstklassig. Dieses vorzügliche Verhalten muss sie von mir geerbt haben.

Meerschweinchen ... ein Tag alt

Nachdem der, die oder das kleine Wurm das Licht der Welt erblickt hat, stand ich vor der schwierigen Aufgabe, mir einen weiteren Vornamen auszudenken. Da alle Meerschweine ungewollt mit einem B beginnen, musste ich wohl oder übel der Tradition folgen. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für Boulett … richtig, ohne e am Ende! Doch konnte mich, wie auch bei anderen nicht unwesentlichen Dingen des Lebens, im Familienrat mit der Namensfindung nicht durchsetzen. Stattdessen brachte meine Angetraute Bummi ins Gespräch. Der Rufname stiess auf weitaus weniger Widerstand und gilt seitdem als gesetzt … :D

Tag 63

Dienstag, November 17th, 2009

Nachwuchs im Hause kampffusselnder Mausmaler … keine Sorge: Weder die Angetraute noch die zahlreiche Kinderschar ist von dem Glück betroffen. Unser Nachzügler-Meerschwein, das auf den eigenwilligen Namen Baguette getauft ist, hat in der Nacht von Sonntag auf Montag ein kleines gesundes Meerschweinchen zur Welt gebracht.

Unsere Meerschweine: Baguette mit ihrem Nachwuchs Brikett

Foto: 2009 Ronald Puhle

Nun werden sicherlich bei den weiblichen Leserinnen des Blogs mütterliche Gefühle wachgerüttelt. In der Folge muss ich als Meerschwein-Übervater natürlich wissen, wie groß, schwer und lang das Einzelkind ist. Sorry … ich Mann und haben keine Ahnung von technischen Parametern des meerschweinigen Erdbewohners. Es ist zu 100% ein Meerschwein und der Umstand genügt mir zu wissen.

Was ich sagen kann ist, dass der Vater unsere Bumsratte ist. Der Fakt ist ebenfalls unumstößlich. Besagter Vater ist genauso schwarz wie sein nunmehr geborener Nachwuchs. Damit ist nicht Lars, regelmäßiger Blogleser und Kommentator gemeint. Wobei: Ihm zu Ehren haben wir schon unseren Meerschwein-Bock benannt.

Bei der Namensvergabe gaben wir uns viel Mühe. Von Heinz bis Triple Whopper wurden während des morgendlichen Frühstücks alle möglichen wie unmöglichen Wortschöpfungen an- und ausgesprochen. Lange Zeit hatte ich etwas Indianisches … eben wie Chicorée oder so im Hinterkopf. Im Hinblick auf mögliche peinliche Auftritte beim Tierarzt und angesichts des schwarzen Fells haben wir uns letztendlich für den liebreizenden Namen “Brikett” entschieden … :)

Tag 56

Freitag, April 3rd, 2009

Mich hat das grandiose Sonnenwetter vollends infiziert. Das Stimmungsbarometer treibt unaufhaltsam nach oben und ich bin schon ganz hibbelig, endlich den doofen Bürostuhl gegen die freie Natur zu tauschen. Dummerweise muss ich bis Ende Juni nebenbei 300 Seiten Text füllen, Geld verdienen, gelegentlich etwas Essen und eine Mütze Schlaf zu mir nehmen.

Aufgenommen auf einer Mauer

Die letzten Wochen waren ziemlich hektisch: Zusagen, die eingehalten werden wollten, abendliche Comedy-Besuche und ein Haufen Nutzlos-Kleinzeug nebenbei. Unter dem Strich sind es alles Sachen, die primär mir nicht wirklich etwas bringen, wo ich dennoch sekundär hoffe, dass sie zum großen Knall führen.

Ganz nebenbei flatterte noch ein Interview für das T-Mobile-Kundenmagazin ins Haus. Man hatte meinen iPhone-Blog entdeckt. Eine witzige Sache, wobei wieder offensichtlich wurde, dass es zuwenig Portraits von mir gibt. Mein spektakuläres Nacktfoto wollte ich denen nicht anbieten.

Irgendwie leidet unter der ganzen Schreiberei die Fotografie. Eigentlich hatte ich vor über einem Jahr mehreren Verlagen die Zusammenarbeit gekündigt, um mehr Zeit fürs Knipsen und Nachbearbeiten zu haben. Trotzdem stehe ich heute mehr denn je unter Strom und Aufnahmen seit Juli 2007 liegen undurchgesehen auf der Festplatte.

So kommt in mir der Gedanke hoch, es mit dem nebenberuflichen Tippsen ganz aufzugeben. Fast zweihundert Artikel und drei Bücher sollten fürs Ego eigentlich genug sein. Eine Ausnahme gäbe es dann doch: Ein Buchprojekt zur digitalen Bilderwelt im Allgemeinen oder einen gedruckten Muschitoaster … :evil: