Friday, September 10, 2010 18:48

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Wie es bei mir mit dem Knipsen und Tippsen anfing …

Mittwoch, Oktober 14th, 2009

Werde ich gefragt, wie ich zur Fotografie oder dem Schreiben von Artikeln beziehungsweise Bücher kam, dann antworte ich “Alles nur per Zufall”. Die Ambition an sich und vor allem die daraus resultierende Entwicklung hat sich einfach aus der Situation heraus ergeben … quasi zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Zur digitalen Fotografie kam ich über den Umweg Filmfotografie. Dazwischen lagen jedoch eine fast 15 Jahre andauernde Pause. 1980 zog meine Familie von Berlin-Weißensee nach Pankow. Hier lernte ich nicht nur meine spätere Angetraute kennen. Ein Bekannter von uns beiden fotografierte (Exa 1b) und entwickelte seine Aufnahmen auch selbst. Irgendwann unternahmen wir gemeinsam mehrere Ausflüge, stürzten uns anschließend in die Nasszelle seines Neubauquartiers, um die belichteten Filme zu entwickeln und auf Papier zu bringen.

Nach ca. vier Jahren war es damit vorbei. Meine damalige Verlobte und ich heirateten, zogen wenig später nach Berlin-Hohenschönhausen. Das Thema Fotografie war für mich (vorerst) ad acta gelegt. 1987 wechselte ich in den Hochschulbereich und mit der Wende an die zukünftige FHTW Berlin (heute HTW Berlin). Im Rahmen der Aufbauhilfe wurde für den Laborbereich, in dem ich tätig war, ein berührungsloses Temperaturmesssystem (Thermografiesystem) angeschafft.

Im Laufe der folgenden Jahre habe ich mich auf das Themengebiet Thermische Systemgestaltung spezialisiert. Das heisst konkret: Ich versuche Fragen zu beantworten und Lösungen zu finden, wie sich die Wärmeentwicklung in Geräten, elektronischen Baugruppen oder in Prozessoren in den Griff bekommen lässt. Hierfür habe ich oft das Thermografiesystem genutzt und mich zwangsläufig auch mit der digitalen Bildverarbeitung befassen müssen.

Thermografieaufnahmen eines Gebäudes

Foto und Thermografieaufnahme: 2009 Ronald Puhle

Anfänglich nur für den wissenschaftlichen Bereich, arbeitete ich zunächst mit CorelDraw & Co.. Später interessierte es mich, digitale Bilder zu manipulieren oder gar am Computer zu erzeugen (Terragen und Bryce). Allmählich kamen die ersten bezahlbaren Digitalknipsen auf. Die Auflösung von 320 x 240 Pixel war für den Consumerbereich sensationell (Casio QV-10a).

Zunächst beschränkte ich mich auf Bildmontagen und bediente mich des Materials, dass mir andere Fotografen zur Verfügung gestellt hatten. Ende der Neunziger bot mir ein befreundeter Fotograf sein Olympus Camedia 1400 an und ich schlug zu. Ich wollte selbst fotografieren und nicht mehr vom Gutdünken anderer abhängig sein.

Nach Abschluss meines Diplom-Studiums stellte sich mir die Frage, was ich in der Folgezeit anstelle des Büffeln unternehmen werde. Zudem Zeitpunkt suchte das fotoMAGAZIN neue freie Autoren. Ich bewarb mich … ohne auch nur einen Artikel als Referenz vorweisen zu können … und wurde genommen. Noch heute bin ich Frank Späth, mittlerweile Chefredakteur der PHOTOGRAPHIE, dafür dankbar.

Ganz ohne “Schreiberfahrung” war ich natürlich nicht. Für mein Labor an der Hochschule verfasste ich eine Reihe von Skripten und Anleitungen, mit denen wir noch heute arbeiten. Artikel für Fotozeitschriften sind da nicht viel anders. Man muss sich nur die Zeit nehmen, ordentlich zu recherchieren um keinen Blödsinn zu schreiben und anschließend alles auf die vorgegebene Seitenzahl zu reduzieren. Das ist für mich zumindest bei Artikeln die einzigste Schwierigkeit … :)

Tag 57

Dienstag, September 8th, 2009

Die letzten Wochen und Monate waren von deutlich mehr Arbeit geprägt als gewünscht. Darunter musste auch mein ohnehin unregelmäßig geführtes Tagebuch leiden. Jetzt, wo ich einen weiteren Tag mit Leben fülle, bin ich zu allem Überfluss in der Stimmung, mich einfach mal nur auszuerbrechen. Doch wie es sich für einen studierten Menschen mit erfolgreichem Abschluss im Fach Mitarbeiterführung ziemt, fange ich zunächst mit den positiven Dingen an … :evil:

Hauptberuflich stand zum Sommer ein Umzug an. Heute sitze ich ganz idyllisch mit dem Rücken zur Spree und habe zum gerechten Ausgleich die doppelte Fahrzeit mit den Öffentlichen. Mich erinnert die neue Umgebung an meinem Aufenthalt in Hamburg. Es fehlen lediglich die großen Schiffe und die touristische Erschließung der ansonsten tristen Gegend. Wenn ich eines Tages Berlin verlassen müsste, dann wäre es sicherlich in Richtung Hansestadt. Ich brauche die unmittelbare Verflechtung aus Stadt und Natur.

Der neue Campus an der Spree

Anfang des Jahres gesellte sich auf meiner To Do-Liste das dritte Buchprojekt hinzu. Warum? Tja, die Einkommenssteuer für 2008 muss gezahlt werden und das mir angebotene Thema fand ich spannend wie für mich zu bewältigen. Unsensibel für die gewissen Feinheiten des Lebens hätte ich vorhersehen müssen, dass unter dieser Konstellation kein gutes Ende abzusehen war. Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass der Autor vollends den Kopf für sein Schreibwerk hinhält. Heute weiss ich, dass es nicht immer an dem so ist. Ein Verlag und sein Marketing-Konzept steht um Längen über ihn. Genau den Umstand bekam ich zu spüren und ich sah mich gezwungen zu handeln. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht und ich dem Irrglauben verfallen bin, Inhalte an den Leser zu transportieren. Das gilt genauso für mein Hauptberuf, in dem sich (fast) wissbegierige Studenten in meinem Labor tummeln.

So kam es wie es kommen musste: Ich kündigte meine Vertrag und machte mich auf die Suche nach einem neuen Verleger. Der war zu meiner großen Überraschung schnell gefunden. Genau genommen lagen keine vier Stunden zwischen den Ereignissen. Offenbar war mein Konzept, an dem ich wie eine Löwenmutter festhielt, nicht so verkehrt. Trotz des nahezu nahtlosen Übergangs musste ich mir eine 14 tägige Pause gönnen. Zu tief saß die Enttäuschung über die starre Haltung des nunmehr Ex-Verlags. Dafür weiss und vor allem verstehe ich heute, weshalb für manch schlechtes Buch Bäume sterben mussten, um trotz mangelnder Substanz letztlich gedruckt und gebunden zu werden.

Auch die Modell-Welt machte es mir in der Zeit nicht sonderlich einfach. Zusagen, selbst gegen Zahlung eines kleinen Honorars, mir für die erforderlichen Aufnahmen zur Verfügung zu stehen, waren noch vor dem Aussprechen Makulatur. Entweder war von den Damen nichts mehr zu hören oder eine Ausrede folgte der anderen. Sicherlich mag etwas im Zeitplan immer dazwischen kommen, doch wer es wirklich mit der Unterstützung ernst meint, findet Zeit. Irgendwie, und sei es mitten in der Nacht. Das gilt vor allem dann, wenn Mann und Frau sich die Attribute “professionell” und “zuverlässig” auf die eigene Fahne schreibt. Umso mehr verwundert es mich, wenn im Nachhinein noch Diskussionen aufkommen und meine Verärgerung über diese unmögliche Art und Weise nicht verstanden wird.

Die meiste Zeit verbrachte ich deshalb mit dem Organisieren und Umplanen. Glücklicherweise gibt es Ausnahmen. Sie waren es letztendlich, die das terminliche Scheitern der immer näher rückenden Abgabe verhindert haben. Selbst als Fotoserien nicht auf Anhieb das erwünschte Ergebnis brachten oder einfach nur schlecht waren, genügte bei diesen Glanzlichtern nur eine Nachricht und sie standen den nächsten Tag wieder parat … trotz Beruf, eigener Familie, Kinder oder gar Unwohlsein. Doch nicht nur einzelne Modelle machten mir in den Monaten das Leben schwer. Angefangen bei einigen Firmen bis hin zu Testlesern lag auch hier viel Weißglut-Potential. Manchmal habe ich den Eindruck, für ein eigenes erfülltes und zufriedenes Leben benötige ich einfach einen anderen Planeten.

Nachtshooting im Sony-Center Berlin

Umso mehr Freude bereitete mir der neue Verlag. Im Interesse meines Buches und dem beabsichtigten Inhalt durfte ich eigentlich alles Tun und Lassen, was ich wollte. Sicherlich gab es hilfreiche Unterstützung in Form von Ratschlägen, die ich brav aufgenommen habe und eingearbeitet wurden. Restriktionen wie ich sie davor erlebte, standen zu keinem Zeitpunkt an. So ist es nicht verwunderlich, dass ich bereits im Hinterstübchen an einem vierten Buch arbeite. Aber hatte ich nicht gesagt beziehungsweise geschrieben, dass nach dem aktuellen Projekt Schluss ist?

Im Allgemeinen und durch meine Rezensionen musste ich viel Lesen. Oft wurden meine Fragen zur Fotografie nicht oder nur ungenügend beantwortet. Stattdessen wird die Technik als das Nonplusultra und einzig Heil bringende hochgehalten. Selbst Autoren, die zu Filmfotografie-Zeiten Meisterwerke schrieben, sind dem Wahn verfallen. Wirklich verstanden fühlte ich mich in Büchern, die es heute nur noch im Antiquariat gibt. Sie sind viel eher das Spiegelbild, in dem ich mich selbst als Digitalknipser verstanden fühle. Wenn ich dann noch die Fragen heranziehe, die mir von Neueinsteigern gestellt werden, weiß ich, dass ich nicht allein mit meinen Fragen so dastehe. Offenbar gibt es einen Markt für meine Antworten, die ich mir in Eigenregie erarbeiten musste … :)