Nachschlag – Nikon Systemblitz-Technik
Montag, Januar 25th, 2010Egal ob ein Buch oder Artikel: Zum abgegebenen Leser-Feedback mache ich mir meine Gedanken. Generell bin ich bemüht, meine eigene Sichtweise mit den möglichen Interessen der Leser zu kombinieren. Es ist kein einfaches Unterfangen und bietet in Detailfragen genügend Zündstoff für Diskussionen, die manchmal auch nur auf Missverständnisse beruhen.
Das Nikon Systemblitz-Technik-Buch wendet sich an Einsteiger, die Blitzlicht (sei es kameraintern oder Systemblitz) nicht oder nur äußerst selten verwenden. Wer sich mit der Materie bereits intensiv auseinandergesetzt hat und mit unserem Buch Antworten auf Detailfragen im Promillebereich erhofft, den müssen wir enttäuschen. Genauso wenig kommt der Leser nicht umhin, das Handbuch der Kamera und Systemblitzgerät zu lesen. Hier gibt Nikon viele Hinweise, wofür welche Funktion verwendet werden sollte. Besagte Empfehlungen sind aber bitte nicht als bindend zu betrachten. Insofern Feature in bestimmten Kamera- und Blitzgeräteeinstellungen nicht ausgeschlossen sind, lassen sie sich im Interesse des Fotografen auch anderweitig “missbrauchen”. Wichtig ist dabei nur zu wissen, wo das Haupteinsatzgebiet liegt und welche Konsequenzen der “Missbrauch” nach sich ziehen kann.
Der Hauptkritikpunkt richtet sich überwiegend gegen unseren lockeren Umgang mit dem Aufhellen, der Blitzleistungskorrektur und dem Einsatz der Matrixmessung. Für das Aufhellen (i-TTL/BL) gibt Nikon an, es vor allem bei hellen Motiven einzusetzen. Das heisst: Dort wo das Motiv viel Licht reflektiert, liegen die Stärken des i-TTL/BL. Daraus folgt, dass das Blitzgerät sein Licht eher behutsam abfeuert. Genau diesen Effekt nutzen wir. Zur vorhandenen Lichtstimmung soll lediglich soviel Blitzlicht zugegeben werden, dass Details in den Schatten möglichst unauffällig hervorgeholt werden. Gern wird in dem Zusammenhang die Wechselwirkung aus Vordergrundmotiv und Hintergrund bemüht. An der Stelle befinden wir uns aber bereits beim zweiten Schritt. Die Gewichtung erfolgt ausschließlich … und das ist der eigentlich erste Schritt … über die Belichtungszeit. Erfolgt sie sehr kurz, dominiert der Blitz die Belichtung. Die Helligkeit des Hintergrunds spielt bei entsprechendem Abstand kaum eine Rolle (Stichwort: Vermeiden von Schlagschatten). Wird eine längere Belichtungszeit gewählt, gewinnt der Hintergrund aufgrund des Restlichtes an Helligkeit. Wir erzeugen eine gewisse Tiefenwirkung. Man kann sogar einen Schritt weitergehen. Blitzt man bei längeren Belichtungszeiten auf den zweiten Vorhang, fließt das vorhandene Umgebungslicht scheinbar stärker in die Belichtung ein. Zwangsläufig wird in der i-TTL-Blitzsteuerung weniger Blitzlicht benötigt.
Die Matrixmessung basiert auf Motivreferenzen … eine Art Datenbank, die in der Kamera abgelegt ist. Danach wird die erforderliche Belichtung beziehungsweise Blitzlichtleistung ermittelt. Die Tiefeninformationen (Abstand zum Hintergrund und die Reflektionseigenschaften) werden zwar berücksichtigt, sind für die Belichtung aber sekundär. Es sind keine Belichtungswunder zu erwarten, denn wie vorab angeführt, ist die Belichtungszeit ausschlaggebend. Selbst wenn das Vordergrundmotiv das Blitzlicht gut und der Hintergrund schlecht reflektiert, wird sich die Kombination Matrixmessung und Blitzsteuerung davor “hüten”, mit einer höheren Blitzlichtleistung den Hintergrund besser auszuleuchten und gleichzeitig das Vordergrundmotiv zu überzeichnen. Ausgehend vom eigentlichen Ansinnen des i-TTL/BL (helle … gut reflektierende Oberflächen) ist auch weiterhin mit einem sparsamen Einsatz des Blitzlichtes zu rechnen. Diesen Effekt wollen wir und haben ihn im Buch an Bildbeispielen gezeigt.
Das eigentliche Verständigungsproblem ist offensichtlich folgendes: Wir ermuntern unsere Leser, ihre Kamera im manuellen Belichtungsmodus zu nutzen. Stattdessen erproben sich Leser in Teil- und Vollautomatiken an unseren Tipps. Das muss an einigen Stellen schief gehen. Hier möchte ich auf den Anfang des Artikels zurückkommen: Unser Buch ersetzt nicht das Lesen des Handbuches. Nikon schreibt klar und deutlich, wie die Belichtungsautomatiken zu nutzen sind. Ganz bewusst haben wir auf Wiederholungen dieser Art verzichtet. Man muss sich nur die Rezensionen der Bücher anschauen, die das tun. Deshalb an der Stelle noch einmal der Hinweis: Die manuelle Belichtungssteuerung “degradiert” die Matrixmessung zum Belichtungsmesser mit einem größtmöglichen … das Motiv nahezu vollständig erfassenden … Messfeld. Die Belichtung wird, und so ist unser Verständnis der Fotografie, vom Fotografen gesteuert, der das Ergebnis wiederum in der Belichtungsskale “vorhersehen” kann. Auf der Basis erfolgt unsere Blitzbelichtung “motivbasiert” (Matrixmessung und keine Punktmessung a la Spot- und mittenbetonten Messung), auch wenn Nikon an der Stelle andere Empfehlungen gibt. Würden wir uns streng an die Vorgaben halten, wäre i-TTL mit höheren Blitzleistungskorrekturen die Konsequenz. Allerdings ist bei der Härte des Blitzlichtes und einem 3 LW-Aktionsradius die Belichtung für unsere Zwecke relativ eng bemessen.
Viele Fotografen erwarten reproduzierbare Ergebnisse. In dem Fall kann die Lösung nicht wirklich i-TTL und Belichtungsautomatiken lauten. Man muss sich wieder vor Augen führen, dass es sich um Steuerungen und keine Regelungen handelt. Ändert sich ein Parameter (zum Beispiel Lichtverhältnis oder Kameraposition), reagiert die Steuerung dementsprechend. Wenn wirklich reproduzierbare Ergebnisse gewünscht werden, sind konstante Eingangsgrößen erforderlich. Das heisst aber auch, dass die Blitzenergie manuell gesteuert werden sollte. Überzeichnet lässt sich sagen: i-TTL als auch i-TTL/BL gibt dem Fotografen eine Blitzenergie vor und keiner weiss, wie viel.
Für den einen oder anderen gestandenen Nikon-Fotografen, der sich nahtlos und anfänglich zurecht an die Vorgaben des Herstellers hält, sind solche Sichtweisen sowie unser Vorgehen im ersten Moment befremdlich. Ich benutze gerne Analogien, um für etwas mehr Verständnis in technischen Dingen zu vermitteln: Obwohl zwei Rennfahrer eines Formel 1-Teams über identisches Material verfügen, werden sie unter normalen Umständen nie zeitgleich über die Ziellinie fahren. Jeder Fahrer stimmt den Boliden auf seine Bedürfnisse ab und hat ein anderes Fahrverhalten. Dasselbe gilt für die Fotografie. Wir sind mit dem Buch angetreten, typische Blitzlichtfotos des Anfängers zu vermeiden und beschreiben aus unserer Sicht einen begehbaren Weg. Wir lassen es bewusst in der Hand des Lesers, seine eigenen Konsequenzen daraus zu ziehen. Entweder folgt er unserem Beispiel und übernimmt anstelle einer Automatik die Kontrolle oder der Leser nimmt das Buch als Wissenserweiterung, welche Möglichkeiten es noch gibt.

Cover: Markt + Technik
TIPP
Potentielle Interessenten haben in der Buchhandlung die Möglichkeit, sich den Inhalt anzusehen und dann zu entscheiden, ob sie das Buch kaufen wollen oder nicht. Im Onlinehandel ist es etwas schwieriger. Man ist auf Rezensionen oder Leseproben angewiesen. Der Verlag hat unser Buch bei Google online gestellt und jeder kann darin kostenlos lesen. Auch wenn wir als Autoren an dem Service keinen Cent verdienen, bietet sich so die Möglichkeit, vor dem Kauf etwas genauer reinzuschauen. So sollte sich ein Fehlkauf und die Verärgerung eines Käufers eigentlich vermeiden lassen …









