Thursday, September 09, 2010 05:59

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Blick aus dem Fenster

Dienstag, März 9th, 2010

Nachdem ich mir eine Auszeit vom Menschen beknipsen verordnet habe, sucht mein Auge während des Arbeits- und Lebensalltag nach lohnenden Motiven. Das gemischte Wetter … ein Mix aus “Es sollte langsam Frühling werden” und “Dieser Winter hält sich hartnäckig” … zaubert jene Wolken an den Himmel, die ich mag. Und so knipse ich von erhobener Position aus jenes Gelände, über das ich seit August 2009 jeden Tag blicken muss darf.

Fensteransicht

Foto: 2010 Ronald Puhle

An einem Tag ergab sich eine für mich sehenswerte Konstellation. Der rauchende Schornstein gab seine frisch gefilterten Abgase so gen Himmel ab, als gehörten die Wolken dazu. Dummerweise hatte ich nur meine Kompakt- und Unterwegsknipse dabei. Mit einer etwas längeren Brennweite hätte ich gern nur den Schlot und seine Zwiegespräch mit den Wolken herausgeholt.

Industriegelände in Berlin

KWO-Gelände in Berlin Oberschöneweide

Fotos: 2010 Ronald Puhle

Egal ob Filteranlagen oder nicht, Industriegelände dieser Art verbinde ich immer mit Krach, Dreck und einer gewissen Armut. Wahrscheinlich haben mich meine Jahre in einer Metallschmiede derart geprägt. Dementsprechend wählte ich eine eher düstere Umsetzung der Rohdatenvorlagen. Insbesondere beim letzten Foto hebe ich bewusst die Kontraste an und schatte die Randbereiche stärker als “normal” ab … :)

Brücke über die Spree

Montag, November 2nd, 2009

Jeden Werktag schaue ich über die Spree, sehe auszugsweise eine Blechlawine zwischen den gegenüberliegenden Häuser vorbeiziehen. Es gibt auf der anderen Seite einige interessanten Highlights, die mich als Knipser ansprechen. Und so nutzte ich an einem warmen Augusttag meine Mittagspause, die neue Umgebung mit der Kamera zu entdecken.

Einen Teil der Aufnahmen widmete ich jener Brücke, die mich auf die andere Spreeseite bringt … :D

Ort: Oberschöneweide

Schwarzweiss-Aufnahme eines Bauwerks

Berlin, Oberschöneweide

Fotos: 2009 Ronald Puhle

Beim letzten Foto habe ich mich für die querformatige Ansicht entschieden. Man könnte die Aufnahme sicherlich noch einmal horizontal Spiegeln oder die Träger unsymmetrisch im Bild aufbauen. Das sind aber Gedanken, die ich bei meinem nächsten Kurzausflug durch Oberschöneweide umsetzen werde …

Tag 61

Montag, Oktober 12th, 2009

Seit drei Monaten wird mir die große Ehre zuteil, mehr als die doppelte Fahrzeit zu benötigen, um den Tag in meinem neuen Büro zu verbringen. Was sich ganz früher einmal AEG, später früher KWO nannte, heißt heute HTW und ist der Campus Oberschöneweide. Die längere Fahrzeit nehme ich gelassen hin. Sie ermöglicht es mir, länger Musik zu hören und dabei meine Gedanken schweifen zu lassen. Was mir stattdessen auf den Magen schlägt, ist die Niveaulosigkeit eines Beförderungsmonopolisten bei der Erfüllung seines Versorgungsauftrags.

Fünfmal in der Woche reise ich vom Nordosten Berlins in Richtung beinahe Süden und wieder zurück. In Ermangelung einer Direktverbindung geht es zunächst in Richtung Innenstadt, um quasi in einem Coitus interruptus die Himmelsrichtung zu ändern. Bedingung ist, dass ich einmal umsteigen muss. Das ist für mich durchaus zumutbar und will mich deshalb an dem Fakt nicht weiter erregend reiben. Was mir jedoch das werktägige Glücksgefühl verhagelt ist die Taktzeit, mit der meine Tram des Vertrauens auf den Gleisen oszilliert. Die Pseudo-Direktverbindung direkt vors Eingangstor besteht alle zwanzig Minuten, wenn denn die Linie 27 auch wirklich fährt.

Seit Anfang Oktober bestürmen ein paar tausend Wissensdurstige unseren neuen Campus. Mit Wohlwollen nahm ich eine Info meines geliebten Arbeitgeber zur Kenntnis, dass der Tram-Linie 27-Betreiber die Taktzeiten erhöhen wird, um dem abzusehenden Ansturm Herr zu werden. “Frohlocket dem Herrn, das S-Bahn-Chaos und der Notfahrplan der BVG zeigt Wirkung. Der Berliner ÖPNV reagiert schnell und prompt auf eine neue Situation” dachte ich so bei mir. Doch die beiden Sätze waren noch nicht in mir zu Ende gedacht, schon wurde ich vom deutschen Geist und Denken auf den Boden der Tatsachen zurückbeordert.

Mein Tagebuch

Was Herr oder Frau Berliner Verkehrsbetriebe auf die Beine gestellt hat, war lediglich die Völkerwanderung der Neu-Oberschöneweider zu beobachten. Dazu wurde ein Wagen der “Betriebsaufsicht” an unserer eigenen Strassenbahn-Haltestelle ordnungswidrig abgestellt und fachmännisch wie fachfrauisch das Treiben beguckt. Ich kann mir vorstellen, dass die so abgestellten Beobachter ihre helle Freude daran hatten. Massen an Studenten und Mitarbeiter, fein säuberlich wie Ölsardinen nebeneinander gereiht, quetschen sich aus den Luken der kleinsten, in Berlin überhaupt verfügbaren Tram und wandern gemeinsam in Richtung Campus-Haupteingang.

Zweimal am Tag Gruppen kuscheln, einmal auf der Hin- und Rückfahrt, hat erstaunliche Konsequenzen auf mein ehepartnerschaftliches Verhältnis. Die Suche nach intimen Kontakt zu meiner Angetrauten wird durch das zweimalige Muss des dicht Beieinanderstehens in der Mini-Tram ersetzt. Noch mehr beinahe sexuelle Kontakte kann ich als mittelalter Mann hormonell nicht kompensieren. Diese Gruppenorgien sind wild und hemmungslos. In der mildwürzig bereitgestellten Beförderungseinheit spielt das Geschlecht keine Rolle. Ich muss nehmen was kommt, mich eng an meinen Fahrgemeinschaftspartner schmiegen, damit andere Nutzer beförderungstechnisch nicht benachteiligt werden. Zweimal am Tag notgedrungen Swingen, darunter leidet bei aller Fantasie meine Spermienproduktion ebenso wie das Erektionsverhalten.

Wirklich verwunderlich ist das kompetente Verhalten der BVGler nicht. Typisch deutsch wird erst einmal analysiert, ob es bei über tausend Studierenden und einer Handvoll Mitarbeiter überhaupt einen gesteigerten Beförderungsbedarf gibt. Als Außenstehender und völlig Ahnungsloser hätte ich vielleicht anders reagiert. Anstelle der kleinsten Beförderungseinheit schickte ich eine modernisierte Tatra-Tram mit Doppelwaggon in die Spur, um die Situation zwischen den Haltestellen HTW/Wilhelminenhofstrasse und U-Bahnhof Tierpark zu entspannen. Vielleicht ließe ich mich sogar zum Verdichten der Taktzeiten zu absehbaren Stoßzeiten am Morgen und Nachmittag ohne vorheriger Analyse hinreissen. Immerhin sind die Vorlesungs- und Dienstzeiten bekannt.

Der gewiefte und kompetente Tram-Koordinator sieht das in seiner unendlichen Weisheit natürlich anders. Er fährt sicherlich mit seinem eigenen PKW zur Arbeit und hat seinen Dienst-Parkplatz. Er muss den Herdentrieb der Arbeits- und Lernwilligen organisiert in Busse und Bahnen der Hauptstadt lenken, möglichst zum kleinen Geiz-Preis. Etwas Komfort und oder gar Sicherheit ist da nicht von Nöten. Im Gegenteil: Ist die Tram mit Reisenden vollgeknallt, kann bei einer Notbremsung niemand umfallen oder sich gar verletzen.

Die Wurzel des Übels ist aber nicht nur der Formalismus, der jede Flexibilität selbst bei vorhersehbaren Ereignissen zunichte macht. Es fehlt dem landeseigenem Personentransportunternehmen jene Beförderungskonkurrenz, die an Stelle des bürokratischen Aussitzen eines offensichtlichen Problems kurzentschlossen zeigt, was eigentlich unter dem Dienst am Kunden zu verstehen ist … :evil: