Friday, September 10, 2010 18:39

Posts Tagged ‘bildaufbau’

Was von mir noch übrig ist hat nur mit Dir zutun*

Freitag, Oktober 16th, 2009

Mir fällt es via Internet deutlich leichter Mitmensch einzuordnen, die in irgendeiner Form fotografieren. Beinahe ideale Voraussetzungen sind, wenn sich Kollege oder Kollegin Knipser dazu auch noch verbal auslässt. Diese Ansicht wurde für mich auch durch Susan Sontags “Über Fotografie” bestärkt. Unlektorierte Worte allein sind die idealen Überträger der Lüge.

Zugegeben, das Internet strotzt vor Bildchen, die keiner weiteren Ausführung bedürfen. Ich nehme da meinen Muschitoaster.de nicht aus. Einiges gehört in den Giftschrank und nicht der Öffentlichkeit gezeigt. Nun ist es nicht so, dass oft nur ein oberflächlicher Blick genüg, um in die Seele des Fotografen zu blicken. Er beziehungsweise sie muss schon offen und ehrlich Ausführungen zu der jeweiligen Arbeit machen. Das möchte ich im nachfolgenden Fall machen.

Oftmals gibt es unmittelbare Wechselwirkungen zu Ereignissen, die im Großen wie auch im privaten Umfeld geschehen sind und sich indirekt in der Aufnahme widerspiegeln. Ein Bild mit Tiefgang erklärt sich nicht durch bloses Betrachten. Das Hilfsmittel Bildtitel mag einen Denkansatz geben, doch auch hier lässt sich bewusst wie unbewusst die “Wahrheit” verschleiern …

Modell Jana sticht sich eine Reißzwecke in die Brust

Foto: 2009 Ronald Puhle

Die Idee zu dieser scheinbaren Reisszwecken-Tortour an meinem Modell kam mir vor ca. fünf Jahren. Sie war für mich völlig unbewusst initiiert und eher als Gag gedacht. Bis heute kann ich nicht sagen, wes Geistes Kind ich war oder ob eine Bildidee mich dazu angestiftet hat. Vielleicht kam auch im Unterbewusstsein mein gespaltenes Verhältnis zu meiner Mutter zum Tragen. Keine Ahnung …

Mit der ersten Version völlig unzufrieden, wollte ich immer wieder einen neuen Anlauf nehmen. Nach einem privaten Fiasko hatte ich jedoch meine Schwierigkeiten, die Idee noch einmal aufzugreifen und möglichst vernünftig umzusetzen. Was im zweiten Wurf herausgekommen und oben zu sehen ist, befriedigt mich keinesfalls. Den “scheinbaren” Schmerz beim Zustechen der Reißzwecke assoziiere ich mit besagten privaten Problemen … sogar mit körperlicher Gewalt. Noch immer verspüre ich den Wunsch, das was geschehen ist mit einer Ohrfeige abzugelten und dem weiteren Beteiligten die Eier abzureissen. Keine Angst Herr angesprochener Bildjournalist: Ich habe mich in dem Punkt unter Kontrolle, lasse mich nicht auf ihr Niveau herunter und meiner Einer darf ja auch Träume haben … :evil:

Normalerweise neige ich dazu, Gegensätzliches zu inszenieren. Demnach hätte das Modell lächeln können … oder so etwas ähnliches, was ich nicht direkt mit Schmerz in Verbindung bringe. Auf der anderen Seite scheint es genügend Mitmenschen zu geben, die in der rohrstöckigen “Erziehung” einer Domina ihre Freude oder gar Befriedigung finden. Damit wäre mein Ansinnen hinfällig. Oder stehe ich, ohne es eigentlich zu wissen, selbst auf solche “Abnormitäten”?

Mal abgesehen von der fragwürdigen Inszenierung und wenig durchdachten Interpretation muss ich gestehen, dass trotz einer gewissen äußeren Leichtigkeit meine inneren Gedanken tendenziell dunkel und depressiv sind. Eigentlich sollte oder müsste ich doch zufrieden sein: Im Spaßfaktor Nebenberuf geht es voran inklusive einer gewissen Anerkennung der ertippten Leistungen. Und nach dem Bekunden meiner Angetrauten zu urteilen, ist alles wieder “schick”. Trotzdem gelingt es mir nicht, eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit den Dingen wiederzuerlangen.

Um dem Ganzen eine gewisse Harmonie einzuflößen, zwänge ich die Szene ins Mittelformat. Die Ausleuchtung an sich hätte härter ausfallen können, was wiederum meiner inneren Gemütslage entspricht. Stattdessen setze ich die Szene Mainstream-Like möglichst schattenfrei um. Nachdem alle drei Lichtquellen dafür verpulvert waren, fehlte mir ein vierter Studioblitz, um im Hintergrund mehr Raum zu schaffen. Also musste ich über die Belichtung und der Blitzenergie solch ein Gleichgewicht finden, dass die Haare des Modells sich minimal vom schwarzen Hintergrund abheben. Soviel zum Technischen drumherum.

Damit die Ausführungen nicht darin enden, dass ich der Aufnahme doch noch etwas Positives abgewinnen kann, möchte ich an der Stelle einfach einen Punkt setzen. Auch wenn die Aufnahme für den Betrachter nichts sagend ist, so hat die Entstehung als auch der Inhalt für mich mehr Bedeutung als vielleicht vermutet. Was mir nicht gelungen ist, diese Bedeutung in ein aussagekräftigeres Foto umzusetzen. Voller Respekt für Fotografen, die ihre Sicht, Gedanken und Emotionen umsetzen können, sehe ich mich genau deshalb nur als Knipser … :)

* Der Titel ist eine Phrase aus dem Titel Susej der Einstürzenden Neubauten

Mit oder gegen die Sehgewohnheit?

Montag, Juni 15th, 2009

Es gibt eine Reihe von “Regeln” bezüglich des Bildaufbaus. Gern wird in dem Zusammenhang der Goldene Schnitt bemüht. Weiterer Gestaltungsmöglichkeiten bietet der Kontrast oder die Schärfe beziehungsweise Unschärfe. Egal wofür ich mich entscheide, Ausgangspunkt bildet die Sehgewohnheit beim Betrachten eines Bildes.

Der Betrachter sollte vom Inhalt des Bildes “geführt” werden. Entsprechend dem Lesen eines Textes beginnt das Auge links und wandert nach rechts. Im Sinne einer gewissen Ruhe und Harmonie, sollte der Bildaufbau dem Grundsatz folgen. Dabei handelt es sich natürlich um einen Aber-Satz. Wenn eine gewisse Unruhe gewünscht wird, so bietet die Umkehrung des Prinzips die Gelegenheit.

Tipps und Tricks

Diese Variante folgt dem Prinzip links nach rechts, wobei die Gleise das Auge förmlich an die Hand nehmen und über die Aufnahme begleiten.

Tipps & Tricks

Fotos: 2009 Ronald Puhle

Die untere Aufnahme “verletzt” das Prinzip. Die Gleise versperren förmlich den Blick und es braucht einige Zeit, bis der Bildinhalt vollends erfasst wird. Persönlich steckt mir zuviel Unruhe in der letzten Variante, auch wenn ich sie favorisiere. Sie ist aber das Original und wurde von mir in eine “harmonische Version” gespiegelt.

Blüten mal anders

Samstag, April 18th, 2009

Eine 50 mm-Festbrennweite und etwas weit entfernte Baumblüten haben mich zu diesem Bildaufbau gezwungen. In dem Sinne allen Besuchern ein schönes Wochenende … :)

Erholungspark Marzahn

Foto: 2009 Ronald Puhle

Bildgestaltung – Ausgabeformat und Bildaufbau

Donnerstag, November 6th, 2008

Fotoschule – Workshops & Individualkurse

Ausgabeformat und Bildaufbau sind eng miteinander verzahnt. Fotografen, die in erster Linie am Bildschirm publizieren (Internet, Bildershows etc.), müssen sich hier relativ wenig Gedanken machen. Die Bildauflösung gängiger Kameras ist so groß, dass im Nachgang beinahe alles möglich ist: Von scheinbaren Makroaufnahmen bis hin zum nachträglichen Umplatzieren des Motivs.

Etwas anders sieht es bei Fotografen aus, die ihre Aufnahmen großformatig ausdrucken oder im Fotolabor entwickeln lassen. Hier zählt jeder Pixel. Deshalb heisst es noch vor dem Abdrücken: Gehirn einschalten und mitdenken. :evil:

In der Regel orientiert sich der Fotograf am Seitenverhältnis des Bildsensors. Das ist naheliegend und vereinfacht die Bildgestaltung. Allerdings haben Fotolabore eine weitaus größere Palette an Papierformaten zu bieten. Persönlich orientiere ich mich am Kleinbildformat (1:1,5) und dem klassischen Mittelformat (1:1).

Sollen später die Fotos in einem anderen Format als das des Bildsensors zu Papier gebracht werden, muss das Ausgabeformat schon bei der Aufnahme berücksichtigt werden. Oft ist ein Beschnitt erforderlich, bei dem Motivinhalte verloren gehen. Dementsprechend ist beim Bildaufbau im Kamerasucher um das Motiv herum “Luft” zu lassen. Ein typisches Beispiel sind Aufnahmen im Kleinbildformat für 13 x 18-Abzüge (Aspektverhältnis 1:1,38).

quadratischer Schnitt (Mittelformat)

Das Mittelformat gilt wegen seiner gleichen Kantenlängen als harmonisch und ist deshalb als “langweilig” verschrien. Ich persönlich empfinde die Möglichkeit, ein Motiv nahezu ungestraft in die Mitte des Ausgabeformats zu setzen, als äußerst angenehm. Es ist eine Frage des Bildaufbaus und der Kamerahaltung, der eingefangenen Szene mehr Leben zu geben.

Schnitt im Kleinbildformat (Hoch)

Das Kleinbildformat und seine unterschiedlichen Seitenlängen ist in Sachen Bildgestaltung weitaus vielfältiger. Zum einen lassen sich Bilder im Hoch- und Querformat aufzeichnen, zum anderen ist das “Aus der Mitte legen” des Motivs eine weitere Möglichkeit, dramaturgisch in die Motivabbildung einzugreifen.