Ohne ins Selbstherrliche zu verfallen möchte ich behaupten, dass ich mir bezüglich der Bewertung meiner Fotos durch die eigene Selbstkritik mehr im Wege stehe als es vielleicht erforderlich ist. Wenn es um die Bildauswahl meiner Modelle geht, dann habe ich oft eine ellenlange Liste abzuarbeiten. Genauso fallen Begriffe wie “perfekt” und so ähnlich.
Sicherlich muss ich solche Aussagen relativieren … und schwups, da sind wieder meine Selbstzweifel. Es gibt wirklich wenige Aufnahmen, mit denen ich nahezu im Reinen bin. Irgendein Detail stört mich immer, das ich lieber anders aufgenommen hätte. Ich finde nicht, dass das was mit “Perfektionismus” zu tun hat. Vielmehr habe ich förmlich Angst vor genau diesem Moment des Eintretens.
Wäre der “perfekte” Punkt gekommen, was möchte ich danach machen? Es wäre damit quasi der Berggipfel erreicht. Wenn dann noch die typischen Depressionen eines “Künstlers” die Überhand gewinnen, könnte nur noch der Alkohol mein Leben erträglich gestalten. Diese Aussicht find ich nun wieder nicht so prickelnd.
Während das nachfolgende Foto relativ schnell im Kasten war, tat ich mich beim Beschneiden umso schwerer. Die leichte Schräglage sehe ich heute als äußerst dämliche Eingebung von mir an. Dummerweise sind alle Aufnahmen dieser Pose in der Form gehalten. Ebenfalls ist im Original das Modell vom Gesicht her zu erkennen.

Foto: 2009 Ronald Puhle
Schon beim ersten Anlauf der RAW-Entwicklung tat ich mich schwer, ein für mich befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Nach ein paar Monaten unternahm ich den nächsten Anlauf mit einem nahezu identischen Ergebnis. Wieder etwas später entschied ich mich für diesen Beschnitt und die Aufnahme außerdem horizontal zu spiegeln. Jetzt steht nicht mehr die Person, sondern die Gestik des Festhaltens und Loslassens im Vordergrund.
Der Beschnitt erfolgte recht einengend, bezogen auf die Größe des Originals. Wieder ist mir der fehlende Mut auf den Fuss gefallen, den Schritt näher zu gehen und von vornherein mehr mit der Symbolik zu arbeiten. Zu sehr halte ich mich daran fest, die Distanz zwischen mir und dem Modell zu wahren …