Tag 87
Mittwoch, August 11th, 2010Nun sind sie vorbei … vierzehn bezahlte Freitage meines Hauptarbeitgebers. Wieder holt mich gegen fünf Uhr Kollege Wecker aus dem Schlaf, jeden Morgen rasieren und pünktlich kurz nach Sechs an der Tram-Haltestelle stehen. Ich kann die Leier nicht mehr hören … besser gesagt selbst erleben.
Doch wem oder was trauere ich eigentlich hinterher? Gut, in den letzten Tagen durfte ich ohne Zuhilfenahme der Weckkiste aufstehen. Ansonsten waren die Tage mit Dingen vollgepackt, die endlich realisiert werden wollten oder sollten. Was fehlte war lediglich der Druck es tun zu müssen. Das ist der kleine aber feine Unterschied!
Ganze zehn Tage gönnte ich mir eine Auszeit vom Schreiben. Zu meiner Überraschung gab es noch nicht einmal Entzugserscheinungen. Mein Kopf suchte und fand Abstand, wohl wissend, dass die verbleibenden vier Urlaubstage ausschließlich dem neuen Buch zu widmen sind. Über 400 unlayoutete Seiten sind nach dem Fachlektorat noch einmal durchzuarbeiten und ich wusste schon im Vorfeld, dass in dem Beta-Text noch einige Haken und Ösen enthalten sind.
Wider Erwarten war der Rückläufer mit nur wenigen Kommentaren und Korrekturen versehen. Was mir dennoch übrig blieb, war jede verdammte Zeile Wort für Wort durchzugehen, um zum letzten Mal verändernd eingreifen zu können. Und so endete der letzte Urlaubstag mit der Frage, wie ich sie mir bereits vor dessen Beginn gestellt habe: Warum tue ich mir das berufliche Doppelleben überhaupt an?
Die Frage und das damit verbundene Gefühl kenne ich bereits. Immerhin handelt es sich um Buch Nummer 4. Doch diesmal tut sich deutlicher denn je vor meinen Augen eine Grenze, wenn nicht sogar ein Abgrund auf. Sicherlich war die Zeit, in der das Werk seine Form annahm lang genug und ich hatte … mit Ausnahme der Anfangsphase … noch nie so entspannt schreiben können. Doch die Frage nach dem Warum stellt sich vielleicht deshalb umso lauter!

Foto: 2010 Ronald Puhle
In solch terminkritischen Momenten vergesse ich offenbar den Spaßfaktor, den mir die Arbeit macht. Stattdessen sehe ich die Spaßbremsen, deren Moment erst noch kommen wird. Aber so etwas scheint zum Leben dazu zugehören …







