Friday, September 10, 2010 19:30

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Ich werde Fotograf!

Freitag, März 26th, 2010

Ich möchte mich endlich Fotograf nennen dürfen … auch ohne erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium. Deshalb habe ich intensiv die lautstarken Geister in Foren, Communities und anderen Selbstdarstellungsplattformen studiert und ihre Art der Fotografie ab sofort und für immer verinnerlicht:

Man nehme das Feinste vom Feinem. Viel Geld und der Werbeslogan “professionell” sind der erste Garant für meisterliche Aufnahmen. Als Nächstes muss man die Knick-Knack-Automatik im Motivmodus “Perfekte Bilder in jeder Situation” wählen. Hier denkt die Profi-Kamera für den fortan professionellen Fotografen und belichtet auf immer und ewig wieder reproduzierbare Ergebnisse.

Streng nach Goldenem Schnitt und der interpoliert quadratischen Drittel Regel wird das Bild aufgebaut. Der dynamisch schnappende Autofokus mit Gesichts- und Grinsebackenerkennung trifft voll ins scharfe Schwarze. Es ist so einfach: Erst wenn ich die Kamera nur noch halten muss und mich allein auf das Anmachen des Modells konzentrieren kann, dann bin ich ab dem heutigen Tag ein hammerechter Fotograf.

Derart motiviert lege ich los: “Yeah Baby, du bist gut … zeig es mir … gib alles … du siehst so süß aus … du gehörst auf die Titelseiten der großen Magazine”!

Blitzlichtaufnahme ... kurz belichtet

Foto: 2010 Ronald Puhle

Meine Augen gehen auf und der Angstschweiß läuft die Stirn herunter. Puh … das war vielleicht ein Alptraum. Am Abend zuvor sah ich einen Bericht über eben solch einen “professionellen” Fotografen. Sein One Pack war um einiges ausgeprägter als mein ganzer Stolz. Seine Haare sind eigenfettgepflegt und haben gefühlte 100 Jahre keine Schere gesehen. Dazu turnte er im gelblich-lichtgrauen Feinripp und mit leichter Schwellung im Schritt vor dem Bett im Hotelzimmer notgeil hin und her. Wenn nicht seine blöden Sprüche, dann knallt wenigstens der direkte Systemblitz das verunsicherte Modell weg …

Der Typ wollte keine Fotos machen, der hat neue Solo Sex-Vorlagen gebraucht. Das Dumme an der Sache ist: Obwohl die Bildchen von dem “Meister seines Fachs” einfach Scheiße *PIEP” sind, lassen sich angehende Modelle auf so etwas ein. Die Konsequenz: Alle Fotografen sind Spanner und wollen den jungschen Dingern an die Wäsche! Jeder hört gern geraspeltes Süßholz und möchte umschmeichelt werden. Doch bei aller Bauchpinselei sollte man den Ball flach halten und den Verstand gebrauchen. Worte allein machen weder Modelle noch gute Aufnahmen …

Kampffussel’s Anmerkung:
Das abgebildete Modell hat nichts mit dem zuvor Geschriebenen zu tun. Die Kombination von Text und Bild ist rein zufällig gewählt …

Bald werden wir uns treffen

Donnerstag, Januar 21st, 2010

Endlich landete wieder mal was Nettes in der Rubrik “Deutsch für Spammer” in meinem Postfach:

Zitat Anfang
Hallo!
Ich bin verwundert, deine Mitteilung zu bekommen. Ich habe uber mein Profil in der Webseite singles.freenet.de vergessen. Aber ich bin froh, deine Mitteilung zu bekommen! Wie geht es? Entschuldige, ich erinnere mich dich nicht. Aber ich werde froh sein, die Freunde mit dir zu sein! Ich habe nicht verstanden, wie du heisse?Bitte, schreibe mir deinen Namen. Ich schicke dir mein Bild. Ich hoffe, du findest mich attraktiv! :)
Ich spreche deutsch nicht, ich spreche englisch. Du kannst mir englisch schreiben.
Du kannst mir deutsch schreiben, wenn du englisch nicht sprichst. Ich werde dich verstehen :)
Ich heisse Viktoria. Ich habe 27 Jahre. In welcher Stadt in Deutschland lebst du? Ich kann in deiner Stadt fur das reale Treffen nach dem Monat ankommen! Ich hoffe, wir konnen uns treffen!
Du kannst mir deine Fragen vorlegen. Ich werde antworten! Bitte, schreibe mir in meinen personlich email die Adresse! Ich kann dir nur aus der Adresse antworten: vikroriashelet@lavabit.com Ich warte deine Antwort und deine Bilder! Vikroria.

Spam-Mail

Zitat Ende

Da mir die kleine Maus so nett und mit Bildchen geschrieben hat, möchte ich ihr gern darauf antworten. Da ich aber auf jede weitere Konversation absolut keinen Bock habe und ich dem Spam-Futzi nicht meine richtige E-Mail-Adresse preisgeben möchte, muss … darf … oder soll “Vikroria – Viktoria” mein Entzücken öffentlich vernehmen. :evil:

Liebe Vikroria,
mich danke dir für dein nette Nachricht. Entschuldige mich, wann ich jemals angemeldet in einer Single-Borse haben und kontaktiert ein so nettes Girl? Mein Kopf ist so vergesslich tun! Auch du tun mich wirklich leid. Deine Huftschaden sieht echt schlimm aus. Posing damit echt geil und attraktiv fur Vollzeitknipser. Du aber sein ein wirklich susses Gesicht mit Haare auf Kopf. Ich habe 46 Jahre alt und wohne tun in Berlin. Fur ein reales Treffen ich haben Anfang Woche viel Zeit. Sagen du mir mich, wo wir treffen konnen. Ich sprechen, lesen und schreiben deutsch. Kein englisch, weil nicht meine Muttersprache und wenig nur gelernt. Ich deutsch besser verstehen.

Ich mich fragen dich, was du wollen: Meine Bankdaten, ein Ofen fur warme Kate in Taiga oder heiraten ich dich? Sex, wild mit hemmungslos junge Frau ich zwar mogen, aber nicht ich sein notgeil. Suchen du musst einen anderen Mann. Leicht, davon geben es ja genug. Du konnen mir stellen viele Fragen, aber ich nicht viel sagen konnen uber mich. Das Machen an mit Nachricht in talentfreiem Deutsch hupfen mich nicht aus Sessel im Buro.

Ronald

Herr Fotograf und sein Modell

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

Den letzten Mittwoch im Jahr 2009 nahm ich die etwa einstündige Fahrt ins Flackerlight noch einmal auf mich. Vor über einem Jahr laut habe ich laut über das Thema nachgedacht. Ich stand mit Busenfreund Mirko und seiner Lebensabschnittsgefährtin auf dem Kurfürstendamm und wir sinnierten darüber, was wir als nächstes gemeinsam beknipsen könnten.

Anfänglich hatte ich eine “bildhafte” Satire auf jene Kamerahalter vor, die zwecks eigener Befriedigung … laut Hörensagen sogar die sexuelle Form … förmlich in das Modell hineinkriechen würden. Wäre es gleich damals zum besagten Shooting gekommen, sähe das Ergebnis sicherlich so aus:

Ulrike und Mirko aus Berlin

Foto: 2009 Ronald Puhle

Glücklicherweise hat es über ein Jahr gedauert, bis wir es gemeinsam zwischen den Feiertagen ins Studio geschafft haben. Und so stand für mich besagte Idee im Vordergrund des Vormittags. Spaßeshalber hatte ich mein “Studio-Objektiv” gegen das “Lens in a Cap” ausgetauscht. Ich wollte die neue Errungenschaft einfach mal ausprobieren und die Eigenheiten ergründen.

Aufnahme mit dem Lens in a Cap

Foto: 2009 Ronald Puhle

Auf der einen Seite möchte ich der aufdringlichen Schärfe heutiger Objektive entfliehen, trotzdem halte ich hier den Zuwachs der Unschärfe und Randabschattung für ungeeignet. Ich werde also mit dem “Lens in a Cap” weiter experimentieren, tendenziell mit etwas mehr Licht und höheren Blendenzahlen.

Ronald Puhle- Berlin

Foto: 2009 Ronald Puhle

Bei solchen “Experimenten” habe ich es mir angewöhnt, voll den Vorteil der Digitaltechnik auszuspielen und alles Schritt für Schritt aufzubauen. Mir fällt es schwer meine Ideen i Worte zufassen und so bespreche ich lieber mit den Beteiligten die Zwischenergebnisse. Und so hangelten wir uns nach ca. anderthalb Stunden zu jenen beiden Aufnahmen heran, die mir persönlich am meisten zusagen … ;)

Fotograf: Ronald Puhle - Berlin

Modelle: Ulrike und Mirko

Fotos: 2009 Ronald Puhle

Eigentlich möchte ich nicht in die Interpretation des Betrachters eingreifen. Die Kombination aus Schärfe, Geisterbild und der Lichtmalerei ist für mich ein Sinnbild aus bitterer Realität, Alptraum und dem Versuch des Vergessens …

Der AXE-Effekt zwischen Dichtung und Wahrheit

Mittwoch, November 25th, 2009

Das wahre Leben bröselt bei mir so vor sich hin. Jeden Tag zählt die Lebensuhr einen Takt weiter, genauso muss ich mehr und mehr Abstriche bei den Idealen machen. Zugegeben, ich bin weder bibeltreu noch ein zutiefst moralischer Zeitgenosse. Dennoch versuche ich daran zu glauben, dass die Menschheit irgendwelche Werte ihr eigen nennt, woran es sich lohnt, mal mehr oder weniger dran festzuhalten. Doch jetzt ist auch die letzte Bastion gefallen: Sex sells ist auch nicht das, was es mal war.

Meine alternde Gesichtshaut möchte nach der morgendlichen Haarentfernung nicht mehr mit schnöden Rasierwasser beruhigt werden. Ich benötige einen Balm … also die Kurzform des Balsam. Bisher schmiss ich mir teure wie beruhigende Cremes a la Antaeus von Chanel in die Falten. Zumindest fühlte sich meine Pfirsichhaut davon nicht provoziert und quittierte mir die Unachtsamkeit mit Hautirritationen. Stattdessen meldete sich immer wieder meine Geldbörse zu Wort, denn die schmierigen Wässerchen sind nicht gerade billig.

In der pünktlich zum Wochenende im Hausbriefkasten landenden Werbung bot eine Drogeriekette ein ebenfalls für sensible Männerhaut geeignetes Balsam zum Aktionspreis an. Da konnte und durfte ich natürlich nicht nein sagen. Vor dem Regal stehend entnahm ich der Verpackung, dass SIE nach der Anwendung dieser Lotion nicht mehr davon lassen kann, meine Haut zu berühren. Gesagt und getan: Der Flacon landete im Eingangskorb und ich konnte den Montag nicht mehr erwarten. Um meine sensible Gesichtshaut zu schonen, verzichte ich seit Jahren darauf, mich am Wochenende, im Urlaub oder während der Krankschreibung zu rasieren.

Wie jeden ersten Werktag nach einer Rasierpause kratzte ich die lästigen Stoppeln aus meinem Gesicht. Da meine Angetraute noch seelenruhig im ehelichen Gemeinschaftsbett schlummerte, musste ich die “SIE”-Wirkung des AXE-Balm in der Strassenbahn testen. Ich setzte mich auch gleich direkt neben eine junge Frau und lächelte sie breit grinsend an. Doch statt mir ins Gesicht zu fassen und sich lasziv an meinem Oberschenkel zu reiben, drehte sie sich ab und nippte an ihrer Henkeltasse. Die Dinger sind auch so eine Unsitte wie das Bier trinken in der Tram. Ein ordentlicher Bremser und die Brühe landet bei meinem Talent auf der Hose.

Nachdem ich bei der jungen Frau mit ihrem frisch geschwärzten Haar und einer von der Sonnenbank strapazierten Haut abgeblitzt bin, setzte ich mich neben eine Dame in der Kategorie “Älteres Semester”, Gattung “Familienplanung biologisch bedingt abgeschlossen”. Wieder legte ich ein unwiderstehliches Lächeln auf und hoffte, wenigstens im höheren Semester punkten zu können. Doch auch bei der Mottenkugel versagte der Grabsch-Effekt. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Schon beim Deo-Spray desselben Herstellers war nichts so, wie in der TV-Werbung zu sehen. Damals dachte ich, die Fehlwirkung sei auf mangelnde Körperhygiene zurückzuführen. Nach vier warmen Wochen kann Mann ohne regelmäßige Duschapplikation unangenehm riechen.

Da ich nun ein zweites Mal auf die Werbebotschaften von Unilever hereingefallen bin, habe ich überlegt, das Unternehmen wegen notorischer Irreführung zu verklagen. Doch dann las ich auf Allwissend Wikipedia, dass die Zielgruppe der Marke AXE bei 12 bis 29 Jahren liegt. Doch der bin ich erwiesener Maßen um gefühlte 100 Jahre entwachsen. Also wird es wohl nichts mit einem Millionen Dollar Geldsegen, wenn ich die Klage in den USA eingereicht hätte. Schade, dann muss ich mir eben ein anderes Opfer suchen … :evil:

Skulptur im Schlosspark Sanssouci - Chinesisches Teehaus

Foto: 2009 Ronald Puhle