Ich werde Fotograf!
Freitag, März 26th, 2010Ich möchte mich endlich Fotograf nennen dürfen … auch ohne erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium. Deshalb habe ich intensiv die lautstarken Geister in Foren, Communities und anderen Selbstdarstellungsplattformen studiert und ihre Art der Fotografie ab sofort und für immer verinnerlicht:
Man nehme das Feinste vom Feinem. Viel Geld und der Werbeslogan “professionell” sind der erste Garant für meisterliche Aufnahmen. Als Nächstes muss man die Knick-Knack-Automatik im Motivmodus “Perfekte Bilder in jeder Situation” wählen. Hier denkt die Profi-Kamera für den fortan professionellen Fotografen und belichtet auf immer und ewig wieder reproduzierbare Ergebnisse.
Streng nach Goldenem Schnitt und der interpoliert quadratischen Drittel Regel wird das Bild aufgebaut. Der dynamisch schnappende Autofokus mit Gesichts- und Grinsebackenerkennung trifft voll ins scharfe Schwarze. Es ist so einfach: Erst wenn ich die Kamera nur noch halten muss und mich allein auf das Anmachen des Modells konzentrieren kann, dann bin ich ab dem heutigen Tag ein hammerechter Fotograf.
Derart motiviert lege ich los: “Yeah Baby, du bist gut … zeig es mir … gib alles … du siehst so süß aus … du gehörst auf die Titelseiten der großen Magazine”!

Foto: 2010 Ronald Puhle
Meine Augen gehen auf und der Angstschweiß läuft die Stirn herunter. Puh … das war vielleicht ein Alptraum. Am Abend zuvor sah ich einen Bericht über eben solch einen “professionellen” Fotografen. Sein One Pack war um einiges ausgeprägter als mein ganzer Stolz. Seine Haare sind eigenfettgepflegt und haben gefühlte 100 Jahre keine Schere gesehen. Dazu turnte er im gelblich-lichtgrauen Feinripp und mit leichter Schwellung im Schritt vor dem Bett im Hotelzimmer notgeil hin und her. Wenn nicht seine blöden Sprüche, dann knallt wenigstens der direkte Systemblitz das verunsicherte Modell weg …
Der Typ wollte keine Fotos machen, der hat neue Solo Sex-Vorlagen gebraucht. Das Dumme an der Sache ist: Obwohl die Bildchen von dem “Meister seines Fachs” einfach Scheiße *PIEP” sind, lassen sich angehende Modelle auf so etwas ein. Die Konsequenz: Alle Fotografen sind Spanner und wollen den jungschen Dingern an die Wäsche! Jeder hört gern geraspeltes Süßholz und möchte umschmeichelt werden. Doch bei aller Bauchpinselei sollte man den Ball flach halten und den Verstand gebrauchen. Worte allein machen weder Modelle noch gute Aufnahmen …
Kampffussel’s Anmerkung:
Das abgebildete Modell hat nichts mit dem zuvor Geschriebenen zu tun. Die Kombination von Text und Bild ist rein zufällig gewählt …








