Tag 75
Ich bin eigentlich kein Mensch, der an Horoskope und andere Weissagungen glaubt. Die Betonung liegt auf eigentlich. Kurz vor meinem verlängerten Wochenende verhieß mir ein Horoskop eine heiße und vor allem kontroverse Phase. Wahrscheinlich hat sich diese Phrase so in meinem Hinterkopf festgefressen, dass mein Tun die nächsten Tage davon bestimmt wurde.
Mit einer SMS und E-Mail gelang mir am Freitag der perfekte Rundumschlag, der mich bis Montag innerlich beschäftigen wird. Erst die stundenlange Konversation via Skype konnte notdürftig das Flicken, was ich wieder einmal angerichtet habe. Ein in die Enge getriebener Krebs besinnt sich eben manchmal seiner Scheren, obwohl er im Inneren einen weichen Kern hat. Ich erwarte nicht, dass mich mein Umfeld in dem Punkt versteht, weil ich im Nachgang selbst genug an mir verzweifle. Und so muss ich eben mit den Konsequenzen konsequent und dennoch einsichtig über die eigene Dummheit leben.
Keine 24 Stunden später brummt das iPhone in der Hosentasche. Die nächste Baustelle tut sich auf und eine Flut droht alles zu zerstören. Noch unter dem Eindruck des letzten Tages versuche ich möglichst behutsam zu agieren. Mir rasen so viele unausgesprochene Gedanken durch den Kopf. Sie in diesem Moment rauszulassen, wäre dem freiwilligen Fluten eines Kellergewölbes gleichgesetzt. Meinen Kinder habe ich versucht beizubiegen: “Baut Mist, aber wenn es rauskommt ist der Moment gekommen, die Wahrheit zu sagen und dafür auch gerade zu stehen”.
Auch wenn ich mir nicht wirklich sicher bin, die ganze Wahrheit zu wissen, so muss schnellstmöglich eine Lösung her. Wie es ausschaut, liegt es an mir den opfernden Bauern zu mimen. Doch für diese Rolle brauche ich Bedenkzeit, die ich für eine andere nervige, aber weitaus weniger wichtige Baustelle nutze. Seit ein paar Tagen benötigt mein Blog Ladezeiten, die an das Tempo einer Schnecke erinnern. Eigentlich habe ich mein Hosting-Paket geupdt oder geupdatet, um fortan einem Geschwindigkeitsrausch zu verfallen. Anfänglich tat sich wirklich etwas. Da es hier einiges zu sehen und zu lesen gibt, muss der Besucher Geduld mitbringen. Da fallen … nach meinem Verständnis … fünf bis zehn Sekunden Wartezeit nicht weiter auf. Hardcore-Blogleser sehen das natürlich anders … sie haben angesichts der Blogfülle und unzählig abonnierter Feeds einiges zu lesen. Damals, als es noch In war Zeitungen zu lesen, kaufte ich mir immer nur ein Wurstblatt und las darin. Heute reicht nicht ein Blog, es müssen Blogger und am Bloggesten sein … also ganz viele.

Quelle: Google Webmaster Tool
Also kontaktierte ich wieder den Webhoster meines Vertrauens und schildere ihm mein Problem. Geschickt baute ich alle guten Tipps ein, die er mir bis heute gab. Wahrscheinlich von der bisher verabreichten Ratschlagfülle beeindruckt, verriet mir der Supporter, dass der PowerBoost-Button meiner Webpräsenz erst aktiviert werden muss. Als Bestandskunde kann ich das noch nicht tun, könnte aber per kurzes Feedback einen manuellen Start durch den Support erwirken. Was auch immer hinter dieser Prozedur steckt, ich gehe mutig und ohne Backup das Risiko ein. Denn: Mir sitzt Google im Nacken, das meine Webseite als lahme Ente einstuft und bei mir beschweren sich eingefleischte Leser über die Ladezeiten.
Während meiner Heimreise rufe ich am iPhone die E-Mails ab. Herr oder Frau Strato-Support teilt mir mit, dass man meinem Blog Beine gemacht hat. Später werde ich mich dafür auch noch per E-Mail bedanken. Ich wechsle in den mobilen Safari und staune in meiner Lieblings-Tramlinie Bauklötzer: Selbst unter EDGE antwortet Babsi in ein bis zwei Sekunden. Nach dem Stress der letzten Tage und Stunden endlich mal etwas Positives. Auf diesen Pfad gebracht denke ich weiter anti-negativ und bin mir ziemlich sicher, die anderen Probleme auch zu lösen …
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