Über kopierende Wunderkinder
Auf n-tv.de las ich Anfang der Woche einen Artikel über eine junge Autorin, die einen Teil ihres Buches offenbar von einem Blogger gemopst hat. Der Satz ist nicht ganz richtig: Ein Tweet von Tilla Pe, mit dem ich zunächst nichts anfangen konnte, brachte den Stein ins Rollen. Er brachte mich zu dem besagten Artikel aufmerksam …
Nun ist ja Copy & Paste nichts Neues. Egal ob Texte, Bilder, Fotos, Produkte oder Ideen … der Einfallslose bedient sich gern bei Anderen. Das war, ist und bleibt immer so. In dem Zusammenhang fällt mir eine Reportage zur Mona Lisa von Leonardo da Vinci ein. Hier wurde behauptet … gesagt, dass Leo die Maltechnik ganz bewusst gewählt hat, um Plagiateuren die Arbeit schwer zu machen. Der Kopierschutz besteht … wie genial … in den feinen Rissen der aufgetragenen Farben.
Jetzt ist herausgekommen, dass eine 18-jährige Autorin, Regisseurin und Schauspielerin (Quelle: Wikipedia) sich bei einem anderen Autor sowie einer Band und ohne deren Wissen bedient hat. Die Feststellung, zumal von Helene Hegemann mittlerweile selbst zugegeben, haut mich auch noch nicht um. Ich möchte nicht wissen wie viele Bücher in den Bibliotheksregalen stehen bleiben dürften, würde man an der Eingangstür “Text- und Bildkopien aller Art und ohne Quellenverweis heraustreten” rufen. Selbst die Bibel soll ja eine Zusammenfassung von mehr oder minder glaubhaften Geschehnissen sein … habe ich gehört.
Was mich persönlich an der ganzen Sache ärgert ist der Versuch, die unangenehme Angelegenheit mit der Sharing-Kultur im Internet zu “entschuldigen”. Ich nenne es Faulheit, sich nicht selbst zu mühen und eigene Gedanken zu machen. Es spricht nichts dagegen, die Textpassage des Blogs als Inspiration zu nutzen und darauf aufbauend die eigene Geschichte zu entwickeln. Es kostet eben einwenig Grips und Zeit. Wenn das “Sharing” von Daten in jedweder Form den Zeitgeist widerspiegelt, sollten wir uns davor hüten die Kultur ins Spiel zu bringen. Denn das unreflektierte Kopieren und Einfügen ist ein ernstzunehmender geistiger Verarmungsprozess, der nachfolgenden Generationen bitter aufstoßen könnte. In dem Zusammenhang täte es genauso gut, Superlative wie Wunderkinder oder Superstars zu meiden. Ein anerkanntes Talent tut es am Anfang auch …
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Tags: autorin, buch, copy, diebstahl, geistig, hegemann, kultur, paste, plagiat, sharing, text, verarmung


Februar 9th, 2010 at 18:37
Das ist ja echt der Hammer. Ich meine, kopiert wird in der Verlagsbranche überall, ich selber musste auch immer schauen, ob die Texte von meinen Autoren auch von denen stammten. Und da fast alle im Internet kopieren, brauchte ich bei Google nur einzelne Sätze eingeben und ab und zu kam das Original.
Das kommt davon, wenn eine 17jährige in den Himmel gelobt wird. Mich wundert der Supergau nicht.