Überraschung per SMS
Ein Großteil meiner Modelle tauchen auf … und sind gleich wieder weg. Das gilt insbesondere dann, wenn sie lediglich von sich eine Fotoserie als Erinnerung oder Fotokalender haben wollen. Daran ist nichts auszusetzen, wenn unsere gemeinsame Absprache so lautet. In manchen Fällen ist es wirklich schade. Aus eigenem Antrieb entwickeln die Damen und Herren Fähigkeiten, an denen es “professionellen Möchtegern-Modellen” in den zahlreichen Modelkarteien oftmals fehlt. Und so bin ich bemüht, zu guten Modellen möglichst lange Kontakt zu halten.
Reine “Auftragsarbeiten” für eine Fotoserie lohnen sich für mich in nur wenigen Fällen. Ich verbringe mehr Zeit mit der Fahrerei, dem Shooting und der Nachbereitung als man glauben mag. Finanziell betrachtet wäre ich schon mehrfach in die Insolvenz gegangen. Es gibt Ausnahmen von der Regel … egal ob es sich um Geld oder leckere Schokolade handelt. Bei Jenen möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.
Ansonsten bin ich am überlegen, Shootings, die ausschließlich privaten Zwecken dienen und ich das Bildmaterial nicht für meine Zwecke verwenden kann, nicht mehr anzunehmen. Für mich rechnet sich der zeitliche wie finanzielle Aufwand nur dann, wenn ich die besten Fotos für meine Nebentätigkeit als Artikel- und Buchtippse benutze. Das heisst aber auch, ich möchte zu einem gewissen Prozentsatz auch meine Ideen umsetzen dürfen.
Ein für mich gutes Modell war jene Nadja, die sich vor ca. einem Jahr bei mir meldete. Nach dem Shooting hatten wir uns nur noch kurz gesehen. Ich übergab ihr den Fotokalender und ein paar Abzüge. Damals war das dritte Buchprojekt bereits aktuell und wollte deshalb mit ihr später ein paar Serien aufnehmen. Ihre Bereitschaft war da … doch plötzlich herrschte Funkstille. Vor ein paar Tagen meldete sie sich dann per SMS bei mir.

Foto: 2008 Ronald Puhle
Ich war mehr als überrascht … hatte ich sie doch als potentielles Modell abgeschrieben. Wie sich später herausstellte, war das zurückliegende Jahr für sie sehr stressig verlaufen und es galt ein paar Dinge zu klären. Da es mir vor ein paar Jahren ähnlich erging, hatte ich für ihre Situation volles Verständnis. Es gibt eben Wichtigeres im Leben als Fotografieren, wovon ich ein Lied singen kann …
Nun ich könnte ich die Angelegenheit dabei bewenden lassen, wären die Aufnahmen nicht zu einer für mich kritischen Zeit entstanden. Da waren noch die Nachwehen privater Probleme und vor allem das kreative Loch nach zwei Büchern. Und so schäme ich mich heute eher für die damaligen Aufnahmen, die einfach nur schlecht sind.
Ich werde sehen, ob sich in den nächsten Wochen oder Monaten eine Chance auf Revanche ergibt …
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