Bewegte Lichter – Ein Weihnachtsmarkt in Berlin
Um mein Motorik-Projekt einen Schritt weiter voran zubringen war es klar wie Kloßbrühe: Ich muss die Vorweihnachtszeit nutzen und mindestens einen der vielen Weihnachtsmärkte in Berlin besuchen. Da ich mich alleine in die Spur machen musste, stand für mich an erster Stelle die Frage nach dem “Gepäck”. Des Weiteren muss ich mit einem Menschenandrang rechnen, der das ungestörte Arbeiten mit dem Stativ quasi unmöglich macht. Ohne die tragende Rolle eines Assistenten viel die Wahl auf das kleine Handgepäck, bestehend aus der Ricoh GX200 und einem Einbein-Stativ. Um nicht als nächtlicher Omaschreck verhaftet zu werden, verschwand Letztgenanntes ist einer Plastiktüte.

Foto: 2009 Ronald Puhle
Das kamerastützende Vehikel erwies sich schnell als unbrauchbar. Die Aufnahmen wirkten mir zu statisch und engten meinen Handlungsspielraum ein. Somit verfluchte ich relativ schnell meine Entscheidung. Irgendwie war das sperrige Teil aus Aluminium immer im Weg. Sollte ich wirklich einmal den großen Durchbruch schaffen, wird als Erstes eine junge attraktive Praktikanten engagiert, die sich in erster Linie um meine Fotoausrüstung kümmern darf.

Foto: 2009 Ronald Puhle
Nachdem die Frage der Stativnutzung eindeutig geklärt war, stürzte ich mich in das Getümmel. Solche Menschenaufläufe sind für mich der wahre Horror. Gegenseitige Rücksichtnahme und die Inbeschlagnahme des ganzen Fussweges sind nur die kleineren Übel. Ich lasse mir ungern während des Knipsen über die Schulter schauen, erst recht nicht mit gut gemeinten Ratschlägen gespickt, wie ich solch verwackelte Bilder vermeiden könne.
Die Krönung der Schlaumeierei ist, wenn die Ratgeber irgendeine Billig-Kompaktknipse oder ein Handy herausholen und mir dann zeigen, wie es “richtig” geht. In dem Moment möchte ich ein Tänzchen a la Rumpelstilzchen aufführen. Mein Unverständnis darüber, weshalb man mich zum Dummchen stempelt, weicht schnell dem christlichen Motto: “Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!”
Sicherlich kann man nicht an meiner Nasenspitze erkennen, was meine Absicht ist. Doch warum pumpen sich Leute zu Klugscheisser auf, die Dank vollautomatischer Kameraführung eigentlich bis auf deren Haltung nichts zum Bild beitragen? Trotz der Ricoh-Kompaktknipse steuere ich die Belichtung per Hand und das Display zeigt für kurze Zeit etwas mehr als nur verwackelte Aufnahmen. Und so stelle ich mich lieber in eine ruhige Ecke und mache unkommentiert mit dem weiter, wo ich kommentiert zum Abbruch gezwungen wurde …
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