Sie lesen einen Beitrag des Bild- und Worthandwerkers Ronald Puhle (Berlin)
Thursday, September 02, 2010 23:45

Über Tipps und ihre Rahmenbedingungen

Wenn die großen Meister der digital fotografierenden und bildbearbeitenden Fachliteratur etwas Preis geben, ist man geneigt den Inhalt widerstandslos in sich aufzunehmen. Ich nehme mich da nicht aus. Warum auch, sie werden gute Gründe für ihre Aussagen haben.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich im Hauptberuf den Versuch unternehme, wissensdurstigen Studenten die Lösung thermischer Probleme näher zu bringen. Da höhere Mathematik grausam ist, benutzen wir sehr oft empirisch ermittelte Näherungsformeln. Sie lassen sich ohne ein zehnsemestriges Mathe-Studium viel einfacher lösen. Der Haken an der Geschichte ist ihr so genannter Geltungsbereich. Damit das Ergebnis seine Richtigkeit hat, muss man eben wissen, unter welchen Bedingungen die Näherung überhaupt gilt.

Eine Näherung an das “perfekte” Foto ist die so genannte Tonwertspreizung. Das heisst: Schwarz- und Weisspunkt werden an die im Histogramm angezeigte Tonwertverteilung herangeführt. Im Normalfall ist die Aussage korrekt. Bewegt man sich jedoch in Richtung High- und Low Key-Fotografie, gilt diese Regel nur noch eingeschränkt.

In dem Zusammenhang relativ schnell verstanden habe ich, dass der Weißpunkt und hellste Tonwert im Histogramm nicht unbedingt zusammenfallen muss. Genaue Regeln, für welche Motive oder Dominanz der Lichter beziehungsweise Tiefen, kann und möchte ich nicht aufstellen. Ich verlasse mich dabei lieber auf den visuellen Eindruck und entscheide eher spontan. Außerdem lässt die nichtdestruktive RAW-Entwicklung immer wieder neue Varianten an ein und derselben Datei zu, ohne das Original direkt zu beeinflussen.

Rothaarige im schwarzen Kleid

Foto: 2009 Ronald Puhle

In beiden Fotos habe ich mich “gewagt”, den Schwarzpunkt um ein paar Stufen vom unteren Tonwertverlauf abzusetzen, also den Schwarzpunkt vom dunkelsten Tonwert zu trennen. Das Ergebnis ist nur marginal, doch heben sich dunkles Kleid und schwarzer Hintergrund besser voneinander ab. Sicherlich klingt es banal … logisch … oder überhaupt nicht einer Erklärung würdig. Doch letztgenanntes Argument ist eben eine Randbedingung, die man wissen muss. Und wenn sie nicht mit der Näherung angegeben ist, dann ist das Ergebnis in meinen Augen falsch … :D

Helena aus Berlin

Foto: 2009 Ronald Puhle

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