Tag 64
Obwohl diese Woche dank Gleittag einen Arbeitstag kürzer war als gesetzlich vorgeschrieben, fühle ich mich wie nach 10 Werktage-Dauerstress. Jeden Tag war irgendetwas los. Unseren Betonpalast habe ich im Dunklen verlassen und bin im selben Dämmerungszustand dort wieder eingetroffen. Wenn es nicht dienstliche Belange und nebenberufliche Verpflichtungen waren, dann kamen irgendwelche Hiobsbotschaften aus dem engsten Familienkreis. So ist meine Angetraute noch eine weitere Woche krankgeschrieben. Ich fühle mich mittlerweile genauso schlapp und ausgebrannt, dass ich mich im ehelichen Schlafgemach einfach neben sie legen könnte. Zu allem Überfluss bin ich in dieser Woche zweifacher Meerschwein-Opa geworden.
Den Anfang machte Baguette. Wie ein Abbild des potentiellen Vaters brachte sie pünktlich zum Wochenbeginn das kleine Brikett zur Welt. Zwei Tage später folgte Bruno. Auch hier hat unsere Bumsratte erbarmungslos zugeschlagen. Ich frage mich: Warum sind männliche Wesen ausschließlich darauf programmiert, sich permanent fortpflanzen zu wollen. Dieser vierbeinige Hempfling von Meerschwein hat sich sogar an unserem Super-Meerschwein Bruno vergangen und die alte Dame geschwängert.

Bruno ist kein Meerschwein im klassischen Sinne. Wie eine Diva hat sich die Dame dagegen verwehrt, weitere Artgenossen in ihr angestammtes Domizil aufzunehmen. Madame möchte einen eigenen Wohnbereich mit abgetrennter Rückzugsmöglichkeit. Natürlich muss es ein Gehege aus biologisch wertvollem Holz sein, ohne Chemie und so. Meerschweindame Bruno ist eigentlich permanent am Fressen und doppelt so groß wie ihr Begatter. Trotzdem hat es der vervielfältigungsgeile Bock geschafft, ihr ihre Unschuld zu nehmen.
Dank der Starallüren steht Brunos Gehege im Wohnzimmer. Normalerweise hat sie ihren Stammplatz auf der Loggia. Doch Frau Kurzhaarfell soll es ja warm haben. So im Kreis der menschlichen Familie aufgerückt, möchte sie auch am selbigen Leben aktiv teilhaben. Also schleicht Bruno auf ihren kurzen Beinen über die cremeweisse Auslegeware. Treudoof schaut sie nach oben, wenn ihr danach ist, von den Anwesenden betuddelt zu werden. Bruno ist quasi stubenrein. Für ihr Geschäft bemüht sich Frau Tongtong in das eigene Gehege und erledigt es dort. Obwohl Bruno für ein Meerschwein einen gewaltigen Knall hat, ist ihre Erziehung und das Benehmen erstklassig. Dieses vorzügliche Verhalten muss sie von mir geerbt haben.

Nachdem der, die oder das kleine Wurm das Licht der Welt erblickt hat, stand ich vor der schwierigen Aufgabe, mir einen weiteren Vornamen auszudenken. Da alle Meerschweine ungewollt mit einem B beginnen, musste ich wohl oder übel der Tradition folgen. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für Boulett … richtig, ohne e am Ende! Doch konnte mich, wie auch bei anderen nicht unwesentlichen Dingen des Lebens, im Familienrat mit der Namensfindung nicht durchsetzen. Stattdessen brachte meine Angetraute Bummi ins Gespräch. Der Rufname stiess auf weitaus weniger Widerstand und gilt seitdem als gesetzt …
Tags: baby, baguette, bauer, bock, brikett, bruno, bummi, bumsratte, gehege, meerschwein, Mein Tagebuch, nachwuchs, ronald puhle, tagebuch, wurf


November 20th, 2009 at 11:29
herzzerreißend ich werde dich am wochenende aufpäppeln;-)
November 20th, 2009 at 11:35
oh ja … räumt schon mal die wohnlandschaft, ich bin auf dem sprung. ausserdem möchte ich eine extraportion vanillesauce zu den essbaren tennisbällen … oder wie die dinger heissen … haben
November 20th, 2009 at 14:08
Was passiert nun mit Bummi und Brikett? Dürfen sie bei euch bleiben? Wir haben ja unseren Macho – im wahrsten Sinn- einen Schwanz kürzer gemacht. Er weiß das aber nicht und stellt weiterhin jedem weiblichen Wesen nach. So hat er seinen Spaß, die Damen laufen weiterhin wie junge Mädels kichernd durch den Stall und unser Held sitzt wie ein Erdmännchen auf seiner Kuller und beobachtet alles…
November 20th, 2009 at 14:29
@ jana: offiziell werden die neuzugänge abgegeben … aber: es regt sich im familienverband allmählich widerstand. über die “schnippschnappeierab”-lösung wurde ebenfalls bereits laut diskutiert … armer kerl, bei dem gedanken fall ich fast immer in ohnmacht. vorsorglich ist zunächst einmal verhütung nach der abstandsmethode 5 meter und weiter angesagt
November 20th, 2009 at 15:17
ich musste mich im Familienrat für die “schnippschnappeierab”-lösung durchsetzten. Mein GG bekommt bei dem Gedanken immer Schrittschmerzen und weínt ganz fürchterlich. Ich kann das nicht so nachvollziehen, da wir ja schließlich keine Eunuchen-Lösung praktiziert haben
November 20th, 2009 at 16:24
@ jana: absolut verständlich … aus sicht des mannes