Sie lesen einen Beitrag des Bild- und Worthandwerkers Ronald Puhle (Berlin)
Thursday, September 02, 2010 23:57

Gute Nerven sind immer gefragt

Seit gestern ist es offiziell: Das dritte Buchprojekt ist im Druck und auch das Cover fertig. Das Titelfoto stammt nicht aus meiner beziehungsweise unserer Kamera, angesichts der Sinnesüberreizung im Buchladen muss halt was Auffälliges her. Auch wenn es etwas an meiner Seele kratzt, irgendwo muss Marketing sein und ich muss einfach die Nerven bewahren.

Doch auch so sind zur Zeit gute Nerven gefragt: Der Stress aus Arbeit nach einem groß angelegtem Umzug sowie die Leere, im Moment an keinem Projekt aktiv zu arbeiten. Ich versuche … ich muss mich sammeln. Zumindest sendet mir mein Körper ein paar Signale aus, dass ihm einiges auf den Magen schlägt.

So habe ich mich ran gesetzt und ein gedichtähnliches Etwas in einen singbaren Text umzuschreiben. Sehr zu meiner großen Überraschung bat mich K(l)eingeld um diesen Gefallen. Es ist mein erster Anlauf in diese Richtung. Mittlerweile steht ein Grundgerüst, das sehr wahrscheinlich noch etwas gangbarer umgeschrieben werden muss. Im Moment lasse ich mich viel zu sehr von den Texten der Einstürzenden Neubauten leiten. Ich mag die Doppeldeutigkeit und die sich daraus ergebenen Interpretationen.

Modell Maria aus Berlin

Foto: 2008 Ronald Puhle

Weit im Hinterkopf arbeitet mein Denkkasten bereits an Buch Nummer vier. Es wäre, wenn es dazu kommt, dass wohl erste Projekt, das mir wirklich auf der Seele liegt … und genau darin sehe ich eine gewisse Gefahr. Inhaltlich stellt es für mich eine Abkehr vom Mainstream dar, dem ich mittlerweile Leid bin mir anzutun. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob ich schon reif und weit genug entwickelt bin, mir diesen Schritt anzutun.

Ich möchte mit dem Unperfekten experimentieren, nicht analog sondern wie gehabt digital. Meine Ungeduld und die fehlende Zeit würden jeden filmbasierten Ansatz zunichte machen. Außerdem habe ich mangels Erfahrung und Equipment keinen Einfluss auf den Entwicklungsprozess. Das Recht steht mir allerdings im Digitalen und hier in voller Bandbreite zur Verfügung.

Was hat das alles mit dem Foto zu tun? Mhh … eine verpasste Chance? Ein Frage mit mehrdeutig interpretierbaren Inhalt? Oder war das Mehrdeutige nur ein Wunschgedanke von mir? Ich weiß es nicht, werd es wohl auch nie erfahren, geschweige denn, dass ich es wissen möchte. Ich brauche klare Ansagen, damit ich was auch immer nicht fehlinterpretiere. So ist die damals vom Modell ausgesprochene Frage wie sie ist und meine Reaktion darauf, wie ich es in dem Moment und eigentlich immer gewollt habe. Reine Nervensache eben … :D

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