Sie lesen einen Beitrag des Bild- und Worthandwerkers Ronald Puhle (Berlin)
Thursday, September 02, 2010 23:55

III … oder “Die Geschichte, wie ein Buch entstand” (Finale)

Was bisher geschah … Teil I und Teil II lesen

Abendstimmung
Trotz der Freude, ein neues zu Hause für das Buchprojekt gefunden zu haben, überwog zunächst die Enttäuschung. Immerhin hatte ich mich als Autor beim vorherigen Verlag sehr wohl gefühlt und für ein paar Jahr dort gearbeitet. Ich beschloss, zunächst vierzehn Tage die Arbeiten ruhen zu lassen, neue Kraft und Ideen zu tanken. Der bestehende Vertrag wurde von mir gekündigt und wenige Wochen später ein neuer Kontrakt unterschrieben. Als ich wieder mit dem Schreiben begonnen habe, fühlte ich mich einfach wohl. Ungehindert konnte ich alle Dinge zu Papier bringen, die mir zu dem Zeitpunkt auf dem Herzen lagen.

Wenig später traf eine Hiobsbotschaft bei mir ein. Mein bisheriger Produktmanager musste den Verlag verlassen. Ich bin mir schon sicher, dass ich daran eine gewisse Mitschuld trage. Aber die Tatsache, dass er sich bei mir gemeldet hat zeigt mir auch, dass er meine Entscheidung durchaus versteht. Als Leser und Rezensent haben mich immer Technik-Bibeln gelangweilt. Fotografie hat für mich viele philosophische Züge und ein paar davon wollte ich in meinem Buch unterbringen. Kamera wie Blitzgeräte sind nur Werkzeuge und keine gottgeweihten Kultgegenstände.

Mehr und mehr neigte sich das Projekt dem Ende. Mitte Juli war für mich der Tag X gekommen, alles an den Verlag zu übergeben. Zunächst geschah wenig. Ich genoss, verfluchte aber ebenso die Zeit, fortan nichts tun zu müssen. Wenig später klärte sich die unerwartete Wartezeit auf: Meine Lektorin hat das Buch einen ambitionierten Fachlektor zur Korrektur vorgelegt. Fachlich hat er den Inhalt quasi durch gewunken, gab mir lediglich Hinweise, um die ich meinen Text ergänzen sollte. Auch dieser Fakt hat mich im Nachgang bestärkt, dieses Buch genauso zu schreiben.

Da noch etwas Luft war, wurde das Buch um ein Glossar ergänzt. Ursprünglich hatte ich ebenfalls diese Idee, sie aber im Laufe des Schreibprozesses wieder verworfen. Da die Blitzlichtfotografie nicht losgelöst von der Fotografie im Allgemeinen und speziellen Bearbeitungstechniken betrachten werden sollte, nutze ich das Glossar, weitere “Tipps und Tricks” einzubauen oder komprimiert festzuhalten. An der Stelle schließt sich der Kreis zu Tilla Pe’s Ausspruch (siehe Teil I): “Wer blitzt hat Angst”. Kraft meiner Wassersuppe möchte ich ihr teilweise widersprechen. Es ist das Schöne an der Fotografie, dass sie trotz der begrenzten Anzahl an Motiven unendlich viele Interpretationen zu lässt. Eine mögliche Form ist der wohldosierte Einsatz des Blitzgeräts …

Gabriela und Ronald Puhle

Cover-Design: 2009 Markt+Technik

Nachwort
Ich bin der Meinung, dass ein Autor im Gegensatz zu einem Artikel in seinem Buch Farbe bekennen muss. So etwas polarisiert und wird gern mit negativer Kritik überhäuft. Zwei Fakten stimmen mich optimistisch, ein gutes Buch geschrieben zu haben: Binnen weniger Stunden gelang es mir, einen neuen Verlag zu finden und es durchlief ein Fachlektorat. Sicherlich hat alles etwas länger gedauert als geplant und ich habe bis in den Oktober hinein an einzelnen Fragmenten des Gesamtprojekts gearbeitet. Doch es hat sich im letzten Drittel der Projektphase wieder etwas eingestellt, was mir am Anfang stückweise verloren gegangen ist: Eine innere Zufriedenheit mit der geleisteten Arbeit …

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4 Responses to “III … oder “Die Geschichte, wie ein Buch entstand” (Finale)”

  1. Jana Says:

    Ich bin wirklich beeindruckt, dass du – für mich persönlich – so technische Fotografie-Bücher schreibst. Hut ab! Wenn du mal Zeit und Muße hast, würde ich gerne mal von dir Raw und Photoshop erklärt bekommen :-) Irgendwie ist das immer noch ein Buch mit 7 Siegeln für mich. Und ich muss gestehen, ich lese fast nie Fachbücher, ich probiere lieber aus und gebe auf, wenn ich es nicht kapiere :-)

  2. kampffussel Says:

    @ jana: sehr gerne … meld dich einfach per mail bei mir. vielleicht wird aus deinen fragen ein neues buch :)

  3. Jana Says:

    das wäre schön. Und das neue Buch machen wir gemeinsam. Ich übernehme die Gestaltung in InDesign – sodass frau auch gerne mal so ein technisches Buch gerne in die Hand nimmt :-)

    PS: nicht das du denkst, ich lese gar keine technischen Bücher. Mein Lieblingsbuch ist das Photoshop – Maskierung und Composing. Ein wirklich gelungenes Buch mit vielen praktischen Tipps.

  4. kampffussel Says:

    @ jana: ui …. fein. in der regel macht das layout der verlag, aber man kann ja über ein ebook nachdenken. :)
    das eismann-buch gehört auch zu meinen favoriten …. :D

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