Sie lesen einen Beitrag des Bild- und Worthandwerkers Ronald Puhle (Berlin)
Thursday, September 02, 2010 23:46

III … oder “Die Geschichte, wie ein Buch entstand” (Fortsetzung)

Was bisher geschah … lesen

High Noon
Ich beschloss auf eigene Faust den aktuellen Arbeitsstand einzufrieren und das Buch nach meinem Konzept zu schreiben: Der Leser soll möglichst schnell ein Erfolgserlebnis erzielen und sehen, dass die Blitzlichtfotografie weitaus besser ist als ihr Ruf. Erst dann möchte ich mich der Technik und anschließend motivabhängigen Rezepten widmen. Doch mehr und mehr zeichnete sich eine Schieflage ab. Mein Produktmanager erwartete vorzeigbare Ergebnisse. Modelle, die mir ihre Zusammenarbeit zugesichert haben, ließen mich zu allem Überfluss einfach im Stich.

Mehr und mehr brauten sich dunkle Wolken am Himmel zusammen. Zumindest was das Schreiben und den Inhalt anging, lies ich mich nicht beirren. Auf den Buchcover steht nachher der Name meiner Angetrauten und mir, und wir müssen den Kopf dafür hinhalten. In Sachen Modelle griff ich auf jene zurück, die schon beim RAW-Buch ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellten. Es ging irgendwie voran, nur nicht so wie geplant.

Wenige Wochen vor dem Abgabetermin wurde mir mitgeteilt, dass der bisherige Inhalt in der vorliegenden Gliederung nicht akzeptiert wird. Stattdessen sollte ich mich an einer Vorlage orientieren, die von einem anderen Autor zu einer anderen Blitzsteuerung geschrieben wird. Ich fand darin jenes Konzept wieder, was ich so nicht umsetzen wollte. Der Grund klingt banal: Soll ich zum Einstieg den Leser zum Beispiel mit Fragen zum Licht und der Farbtemperatur “langweilen”? Angesichts der Digitalfotografie und dem Einsatz von Systemblitzgeräten muss das aus meiner Sicht nicht sein! Das Thema gehört zwar in solch ein Buch, aber es gilt zunächst andere Dinge zu klären. Handwerk ist gefragt, der richtige Umgang vor allem mit der Belichtungszeit.

Aufnahme mit der Nikon D70

Foto: 2005 Ronald Puhle*

Warum? Digitale arbeiten von Hause aus mit dem automatischen Weißabgleich und Systemblitzgeräte übertragen die Farbtemperatur an die Kamera. Das heisst, wenn ich den Leser am Anfang auf das Thema ansetze, muss ich ihm Lösungen bieten, wie er sich dem Automatismus entziehen kann, wenn es denn seine Absicht ist. Doch warum, wenn er zu 99% mit “guten Ergebnissen” beliefert wird? Für das verbleibende Prozent kann ich ohnehin nur empfehlen, NEF und den Weißabgleich am Computer zu verwenden.

Die Fronten hatten sich verhärtet und durch die “Blume” wurde mir zu verstehen gegeben, dass man meinen Alleingang nicht toleriert. Schon vor dem Gipfel des Konflikts habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll, wenn ein Kündigungsschreiben in die Hauspost flattert. Immerhin war ein Großteil des Buches fertig. Sicherlich habe ich mit dem Gedanken gespielt, den Inhalt den Wünschen des Verlags anzupassen. Es überwog, natürlich in Absprache mit meiner Co-Autorin und Angetrauten in Personalunion, die Meinung, eher dass Projekt sterben zu lassen oder uns einen anderen Verleger zu suchen. Letztendlich entschied ich mich für die letzte Variante. Es dauerte auch keine vier Stunden und jener Alternativ-Verlag, der mir sofort in den Kopf kam, bekundete sein Interesse an dem Thema. Damit war klar, ich werde den bestehenden Vertrag mit dem “alten” Verlag kündigen …

Fortsetzung folgt …

Meine Vorlage für das Cover des i-TTL-Blitzen Buchs

Foto: 2008 Ronald Puhle*

*: Anmerkungen zu den gezeigten Fotos:
Das erste Foto entstand zu einer Zeit, wo ich mich mit Blitzanlagen angefreundet habe. Damals nutzte ich eine Nikon D70 und ein Sigma-Systemblitzgerät.
Der Verlag unterbreitete uns nahezu am Ende der Arbeiten seinen Vorschlag für ein Buchcover. Es enthielt jedoch keine Aufnahme aus unserem Fundus. Deshalb reichte ich das untere Foto ein. Letztendlich blieb es bei der ursprünglichen Version, die in ein paar Details optimiert wurde.

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