Thursday, September 09, 2010 05:55

Archive for the ‘Digital-Polaroids’ Category

Gedankenfeuerwerk am Morgen

Dienstag, März 2nd, 2010

Gerne nutze ich die morgendlichen Tram-Fahrt, um mir meine Gedanken zu machen. Der Kopf ist zu dieser Zeit nahezu leer und mir gelingt es, halbwegs unbekümmert zu denken. Heute morgen kam mir der Gedanke, Fotografie mit dem Fahrstuhl fahren zu vergleichen. Hintergrund sind Überlegungen zu einem Buchprojekt, mit dem ich seit längerer Zeit schwanger gehe. Ich möchte darin die Welt der Technik verlassen und den Dingen mehr Raum geben, die aus meiner Sicht das Knipsen zur Fotografie machen. Natürlich spielt Technik dabei eine Rolle. Vielmehr muss die Frage beantwortet werden, ist der Mensch Skalve oder Herr über die zahlreichen Knöpfe und Einstelloptionen.

Ich versuche mich an der Analogie Fotografie – Fahrstuhl fahren: Normal ist, dass wir uns mit einer geschlossenen Tür zwischen den Etagen bewegen. Wir drücken eine Taste für das Ziel und alles andere läuft fast vollständig automatisch ab. Ich muss nicht mehr die Tür aufziehen … mein Beförderungswunsch per Knopfdruck öffnet die Tür. Der ganze Ablauf ist sicher gestaltet und eine nette Frauenstimme gibt während der Fahrt zum Besten, wo ich mich befinde. Es spielt dabei keine Rolle, ob ich die jeweilige Etage vorher ausgewählt habe oder nicht. Das Liftgirl sagt mir sogar an, ob die “Türe öffnet” oder “Türe schließt”.

Wenn man tagtäglich den Fahrstuhl benutzt, kann einem das gesteigerte Kommunikationsbedürfnis der Beförderungsmaschine gewaltig auf den Kranz gehen. Jedenfalls geht es mir so. Irgendwann plabbere ich dieselben Sprüche nach oder kommentiere sie mit einem leicht bissigen Unterton. Wenn es nach mir geht, müssen die Sprach-Feature nicht sein und können getrost abgeschalten werden. Mit etwas Nachdenken entpuppt sich mein Gedanke als sehr egoistisch. Mich nerven die Ansagen doch nur, weil ich Sehen kann. Ein blinder Passagier ist auf diese Hilfen angewiesen. Er kann nicht sehen, ob sich die Tür öffnet oder schließt. Er kann am Display nicht sehen, auf welcher Etage sich das Treppen-Taxi herumtreibt. Der Blinde kann es nur erahnen, selten genau wissen. Um auf die Fotografie zurückzukommen: Ich versuche nachsichtig mit Jenen zu sein, die auf gegebene Automatiken angewiesen sind … obwohl sie nicht der Sehkraft beraubt sind.

Ich möchte nicht barrierefrei und derart sicher Fahrstuhl fahren. Das enge Kabuff an Seilen hat mehr zu bieten. Zumindest eine Seite bietet mir den freien Blick auf den Schacht und die vorbeiziehenden Etagen. Sie möchte ich sehen. Da spielt es für mich zunächst keine Rolle, auf welcher Höhe des Gebäudes ich mich befinde. Es spricht einiges dafür, dass ich an der Streckenführung meines Liftes nichts ändern kann. Obwohl die offene Tür ein gewisses Risiko in sich birgt, möchte ich mich der Gefahr aussetzen. Sie ist kalkulierbar und ich werde auch keine Harakri-Aktion starten. Ich liebe es dem Auf und Ab zuzusehen und das Geschehen auf meine Weise zu interpretieren. Das geschlossene Kabäuschen und die diktatorische Stimme des Liftgirls geben mir nicht diesen Raum …

Feuerwerk - Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2009 Ronald Puhle

Mit einem zeitlichen Abstand gelesen, klingt der oben genannte Text wie eine Rechtfertigung. Ich muss mich rechtfertigen. Wer kommt im Normalfall auf den Trichter, über die Fahrstuhlansage und den Automatismus nachzudenken? Eher ist das Meckern über die Sinnfreiheit der Massnahmen wahrscheinlich. Mag unter tausend Fahrstuhlbeförderten nur ein Blinder sein, so hat die Technik für ihn ein gutes Werk getan. Wer kann es im sicheren Fahrkorb verstehen, dass ich hinter die Tür sehen möchte … den Wunsch nach Betongrau kontra Licht verspüre? Für den zeitweise Gefangenen sind das ungeheuerliche Gedanken … so etwas ist nicht Normal und gehört in die Geschlossene.

Mit dem nicht normal sein habe ich kein Problem und eine Geschlossene sah ich auch schon von Innen. Mein Problem mit der Rechtfertigung liegt einfach darin, dass ich das Unnormale auch in meinen Schreibwerken auslebe. Damit stelle ich mich einer kleinen Öffentlichkeit, die wiederum zum Großteil das sichere Fahren mit dem Fahrstuhl erwartet. Ich versuche Nachsicht mit Ihnen zu üben, möchte sie im besagten Buchprojekt aber an die Hand nehmen und zeigen, dass es hinter der Tür spannende Dinge zu entdecken gibt. Das Ansinnen wird nicht von Jedem verstanden …

Am Anfang hat mein Verlag mit einer eher sparsamen Inhaltsbeschreibung zum letzten Buchprojekt bei Amazon geworben. So etwas weckt Erwartungen, die ich mit meiner gewünschten Art Fahrstuhl zu fahren nicht erfülle. Ich kann und möchte nicht den sicheren, aber blickdichten Käfig bieten. Das steht in den Handbüchern und wäre verschenkte Zeit, ihn für ein Buch umzuschreiben. Frei nach dem Motto: Die gute alte Zeit. Früher versperrten oft nur Gitter den Rundum-Blick des Passagiers. Es gab sogar Paternoster, die beim Ein- und Aussteigen eine gewisse Wendigkeit erforderten. Mein Wunsch ist gar nicht so weit hergeholt, passt eben nur nicht in die “sichere” Zeit. Auch dafür muss man sich offenbar erklären … ;)

Nachtrag
Manchmal machen mir meine frei herumlaufenden Gedankengänge schon etwas Angst … :evil:

Mein erster Winter am Wasser

Freitag, Januar 15th, 2010

Zur Zeit verbringe ich meinen ersten Winter am Wasser … in Teilzeit und genau genommen an der Spree. Ich bin erstaunt, wie schnell sich in den letzten Wochen Eisschollen gebildet haben und sogar ein Mini-Eisbrecher für eine freie Fahrt der Binnenschiffe sorgen musste. Kaum steigen die Temperaturen etwas an und der Wind bläst aus einer anderen Richtung, ist der vor meinem Büro befindliche Flussabschnitt wieder frei vom Eis.

Ohnehin verspüre ich zur Zeit den Drang, wieder mehr in Sachen Landschaft und Natur zu fotografieren. Meine letzten Exkursionen dieser Art standen im Zeichen des Buchprojektes Nikon Systemblitz-Technik. Dadurch stand ich nicht nur unter einem gewissen Zeitdruck, ich musste primär mit dem Blitzgerät arbeiten.

Dummerweise möchte ich auch noch ein Fish-Eye-Objektiv, sei es das billigste Teil, vor meine Kamera schnallen. Das kostet allerdings Geld … ziemlich viel sogar … und ich weiss noch nicht einmal, was das bereits angesprochene Buch im ersten Quartal des letzten Jahres eingespielt hat. Da meine Freizeit in der Arbeitswoche ins Dunkel des Abends fällt, bleibt eigentlich nur das Wochenende für solche Touren. Doch entweder hänge ich im Fotostudio rum oder möchte auf der Wohnlandschaft liegend einfach nichts tun.

Zu meinem Handgepäck gehört lediglich eine Kompaktknipse Ricoh GX200. Mit ihr kann ich beim Ausblick aus dem Fenster nur wenig anrichten. Wünschenswert wäre mein gesamter Fototechnik-Park, doch mir fehlt noch immer die tragende Rolle eines Assistenten. Und so hole ich bei lohnenswerten Motiven die betagte Canon D30 aus dem Stahlschrank und schieße mit sensationellen 3 Megapixeln Aufnahmen.

aufgenommen mit der Canon EOS D30

Foto: 2010 Ronald Puhle

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2010 Ronald Puhle

Ich beneide … ja, ich kenne auch Neid … jene, die quasi die Natur vor ihrer Haustür haben. Nicht nur das Sujet liegt mir derzeit auf der Seele. Mit dem entsprechenden Freiraum drum herum möchte ich auch an meinem Bildaufbau feilen und mit Semipanoramen experimentieren. Mal abgesehen von der fehlenden Zeit, ergibt sich nur noch ein Problem für mich: Wenn ich vor dem Motiv stehe, mache ich letztendlich doch alles so wie bisher. Wie gehabt stehe ich mir eigentlich nur selbst im Weg … :(

zwölf2010 – Januar

Dienstag, Januar 5th, 2010

In einem leichten Anfall des Übermuts habe ich mich Janas Projekt zwölf2010 angeschlossen. Meine Entscheidung ist weniger wegen der Idee als leicht fahrlässig einzuschätzen. Vielmehr weiss ich heute noch nicht, welche Projekte 2010 meine knappe Zeit in Anspruch nehmen werden. Zur Zeit befindet sich einiges in der Pipeline, was über die sonst üblichen Absichtserklärungen hinausgeht. Und so kann es passieren, dass ich im Laufe der nächsten zwölf Monate es schlicht weg vergesse, das eine Motiv zu fotografieren.

Wenn nach den bisherigen Planungen nichts dazwischen kommt, sollte ich auch Ende diesen Jahres werktagtäglich mein Büro im sechsten und damit letzten Stock am Campus Oberschöneweide in Berlin aufsuchen. Was liegt also näher, den Ausblick jeden Monat in einem Bild festzuhalten. Anstelle Jana’s Vorlage überlasse ich lieber Poladroid die Polaroid-Umsetzung, inklusive Weichzeichnung, starker Vignettierung und zufällig gesetzter Fingerabdrücke. Irgendwie muss ich bei meinem eher durchschnittlichen Motiv die individuelle Note setzen, auch wenn genau betrachtet ein Programm die Polaroid-Simulation steuert.

Doch genug gejammert, eigenbrötlerisch persönliche Akzente gesetzt und wieder einmal pessimistisch in die Zukunft geblickt: Es folgt mein Projektbetrag für den Monat Januar … :)

Ein Projekt von Janasworld.de

Foto: 2010 Ronald Puhle

Weitere Projekt-Beiträge gibt es auf Janasworld oder in der Flickr-Gruppe zwölf2010 zu sehen.

Ich bin untreu und Wiederholungstäter!

Montag, Dezember 14th, 2009

Ich muss gestehen, dass ich um Beständigkeit und Harmonie als Dauerzustand bemüht bin. Gäbe es ihn nicht für mich, könnte ich nicht die innere Ruhe zum Schreiben und Fotografieren finden. Wobei das auch beinahe gelogen ist. Gerade das Schreiben der ersten beiden Bücher war es, was mir ehrlich gesagt überhaupt geholfen hat, mich endlich wieder im Leben zurecht zu finden.

Für meine ersten Gehversuche in Sachen Bildbearbeitung griff ich auf allerlei Programme zurück, dir ich lediglich dazu benutzte, bestimmte Effektfilter anzuwenden. Photoshop war für mich ein Buch mit sieben Siegeln, die ich erst spät brach. Nachdem der Knoten geplatzt war, flogen alle anderen Programme von der Festplatte und ich blieb dem Pixelboliden über Jahre treu.

Lediglich beim Pseudo-HDR beziehungsweise HDR und Tone Mapping gehe ich gelegentlich dem Pixelprinzen fremd. Nicht nur, dass mir Photomatix Pro einfach bessere Ergebnisse liefert, der zweite Grund ist meine Faulheit. Mit wenigen Mausklicks möchte ich möglichst schnell zu einem Ergebnis kommen … quasi ein Quickie mit der Bildbearbeitung ohne großes Vorspiel und so.

Vor ein paar Wochen ist etwas in mein Leben getreten, was mich ebenfalls von meiner Treue zu Photoshop abkommen lässt. Es war nicht “Liebe auf den ersten Blick”. Die Frage nach dem Warum ist schnell beantwortet: Ich habe keine bis wenig Kontrolle über das, was geschieht. Ich bin der ganzen Sachen einfach ausgeliefert und muss mit dem vorgelegten Ergebnis leben. Der Grund meiner erneuten Untreue hört auf den Namen Poladroid.

Ich muss einräumen, das Problem möglichst realitätsnaher Polaroids auch mit Photoshop angegangen zu sein. Meine Billigvariante besteht darin, die Filmsimulation Exposure 2 zu bemühen und einen eingescannten Rahmen darum zu setzen. Alternativ gibt es die Aktion Polaroid Generator von rawimage. Sie hat den Vorteil, dass ich nachträglich in den Einstellungsebenen arbeiten kann.

Polaroid-Simulation mit dem Polaroid Generator by rawimage

Foto: 2009 Ronald Puhle
Polaroid-Simulation: Polaroid Generator by rawimage

Doch die vielen kleinen Details, angefangen bei den Abschattungen über die Unschärfe bis hin zu den Bilddefekten und Fingerabdrücken haben mich schwach werden lassen und eine gewisse Vorliebe für Poladroid in mir aufkeimen lassen.

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2009 Ronald Puhle
Polaroid-Simulation: Poladroid

Eine Schwäche für das Poladroid-Polaroid hat mich mit Haut und Haaren auf Abwege gebracht … wie ein junges Ding eben, das meinen astralen One-Pack-Body unanständig heiss begehrt. Jetzt muss ich für mich nur noch verstehen, wie ich über die entwickelte Vorlage das Ergebnis halbwegs beeinflussen kann. Sicherlich ist eine poladroider Quickie zwischendurch ganz nennt, aber wie sage ich immer so schön: Ich bin kein Mann für eine Nacht … ups, es sollte heissen, ich bin kein Mann für nur ein mir gefälliges Bild. :evil:

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2009 Gabriela Puhle

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2009 Ronald Puhle

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2006 Ronald Puhle

Polaroid-Simulation mit Poladroid

Foto: 2008 Ronald Puhle

Was mal ebenso liegen geblieben ist …

Samstag, Oktober 31st, 2009

… oder: Fünf Einblicke in meine Giftküche!

Zum Wochenende möchte ich ein paar Aufnahmen ausstellen, die es warum auch immer nicht in meinen Blog geschafft haben. Wobei: Bei dem einen oder anderen Foto ist es für mich verständlich, warum ich sie bisher auf meiner Festplatte belassen habe! Heute möchte ich jene Geschichte niederschreiben, wie es überhaupt zu dem Foto kam … :)

#1
August/September 2000 habe ich Michael Degner eine kaum benutzte Olympus Camedia C-1400L abgekauft. Er war zu dem Zeitpunkt eingefleischter Filmfotograf und unternahm erste Schritte in Richtung Digitalfotografie. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich auf Bildmontagen und 3D gestürzt und dabei auch Material von ihm verwendet. Nach meinen ersten fotografischen Gehversuchen um die Jahre 1980 bis 1982 flammte in mir wieder der Wunsch auf, selbst zur Kamera zu greifen. Das Digitale kam dabei meiner Ungeduld sehr entgegen.

Michael war die ersten Jahre mein Mentor und ich habe viel von ihm gelernt. Irgendwann trennten sich unsere Wege. Mein Schlüsselerlebnis war ein Fotobuch, das ich für meine Vorgespräche mit Modellen angefertigt habe. Er schaute es sich an und sagte auf meine Frage, was er davon halte: “Das bist Du. Es ist Dein Stil”. In dem Moment war mir klar, dass Michael keine weiteren Hinweise für mein Fortkommen geben kann. Trotzdem bin ich ihm noch heute für die gemeinsame Zeit dankbar.

Das nachfolgende Foto zeigt die Aufnahmen, die ich zu Hause beim ersten Ausprobieren mit der Olympus gemacht habe. So fing es also an … :D

Entstanden September 2000

Foto: 2000 Ronald Puhle

#2
Modelle tauchen auf und oftmals zu schnell wieder ab. Leider! Wenn es nicht ein neuer Lebenspartner ist, der nichts von der “Vergangenheit” erfahren darf, dann sind es oft negative Erfahrungen mit so genannten Fotografen. Vielleicht war es im Fall von Sandra besagte Erfahrung mit mir, was ich sehr bedauern würde … ;)

Portraitaufnahme

Foto: 2007 Ronald Puhle

#3
Ich wurde von einem Modell angesprochen, ob ich nicht Aufnahmen von ihr machen könnte, die dann für ein Buchprojekt verwendet werden. Dazu muss ich sagen, dass das Modell nebenbei Gedichte schrieb. Die Aufnahmen musste ich immer wieder verschieben. Privat lief es nicht so gut und ich musste mich zunächst aus einem Tief befreien. Noch heute bin ich der Ansicht, dass der Weg hinaus noch immer anhält und ich meine mentale Form erst wiederfinden muss.

Ich weiss bis heute nicht, ob es jemals zur Veröffentlichung des Buches gekommen ist. Das Modell hat sich nicht weiter bei mir gemeldet beziehungsweise habe ich von mir aus keinen Versuch gestartet … :(

Akt einer Frau in Schwarzweiss

Modell Gabriele aus Berlin

Fotos: 2007 Ronald Puhle

#4
Neuerdings nerven mich im Frühjahr Pollen und duftende Baum- wie Blumenblüten. Eigentlich wollte ich einen Tagebucheintrag darüber machen, bin aber immer wieder davon abgekommen.

Ursprünglich für einen Artikel zum Thema Allergie gedacht

Foto: 2009 Ronald Puhle

#5
Mitte des Jahres hatte meine jüngste Tochter ihre Jugendfeier. Selbstverständlich war eine Kamera dabei und es entstanden vor allem am Friedrichstadt Palast Aufnahmen, die ich mit kurzer Brennweite und sehr nah am Motiv aufgenommen habe. Anschließend wusste ich nur nicht, wie ich die Aufnahmen im Blog am besten verwerten kann … :D

Kurze Brennweiten und die Nähe am Motiv führen zu sehenswerten Verzerrungen

Foto: 2009 Ronald Puhle