Ein wetterseitig durchwachsender Monat August 2010 hat sich nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert und wird dennoch in meinen Annalen als denkwürdig eingehen: Das vierte Buchprojekt fand nach sechs Monaten Arbeit seinen Abschluss, ich gab mich in Sachen Fotografien neuen Ideen hin und bin stolzer Besitzer einer eigenen Kreativ-Werkstatt.
Zwar konnte die Mausmalerei in Sachen Besuchern nicht ganz mit dem Vormonat mithalten, dennoch bin ich mit den Zugriffen zufrieden. Der zurückliegende Urlaub und das schlechte Wetter scheinen Internetnutzer wieder in die Fänge der angeblichen Bezwinger von Online-Casinos zu treiben. Und so stehen insbesondere meine Artikel über Norbi Wintersiegel und seine Doktorspiele am Roulette-Tisch hoch im Kurs …
TOP: Dr. Norbert Wintersiegel, 300eur.com & Co.
FLOP: Vogelstimmen hören
Um es mal auf dem Punkt zu bringen: Man muss schon ziemlich viel Matsch auf den Augen haben, um den Verlockungen a la www.300eur.com zu erliegen. Das dort gezeigte Video und vor allem deren Machart ist der lebende Beweis, dass der Betreiber der Webseite ein Herz hat und ausgeschlafene Sehorgane deutlich sichtbar vor den Risiken des Online-Spiels warnt. Selbst ohne Grundschul-Abschluss sollte der Besucher dahingehend sensibilisiert sein, sein Geld auf andere Art und Weise zu verdienen. Weshalb suchen dann Leute nach “Erfahrungen mit 330eur.com”? Wer dem Gezeigten in irgendeiner Form Glauben schenkt, kann doch nur die Waldschule besucht und dort einen Abschluss im Singen und Klatschen gemacht haben!
Vor lauter Verzweiflung über soviel Dummheit zwitschert es quasi permanent in meinen Ohren. Ich höre und lese leider viel zu oft irgendwelche Vogelstimmen. So sollte dürfte ich ein Fotobuch des “Europa größten” Herstellers ausprobieren, darüber dann in der Mausmalerei berichten und ein paar Gutscheine verlosen. Jetzt hat mich also auch das Sponsoring meiner Artikel erwischt.
Tut mir leid, in manchen Dingen bleibe ich meinen Prinzipien treu. Wenn ich hier etwas über ein Produkt X schreibe, dann kündige ich meinen Privat-Test nicht vorher an. Ich “hasse” mag diese selbsternannten “Stiftung Warentester” nicht sonderlich. Um halbwegs objektiv an die Sache heranzugehen, sollten ein paar Mindestvoraussetzungen wie reproduzierbare Ergebnisse unter definierten Randbedingungen gegeben sein. Dazu zählen nach meiner Ansicht in Bildangelegenheiten kein Augenmaß-Farbmanagement an einem Projektionsgerät aus dem Krabbelsortiment des geilen Elektro-Discounter! Den webaktiven Unternehmen stünde es besser zu Gesicht, nicht nur nach besucherträchtigen Weblogs, sondern auch nach einer qualitativ hochwertigen “Berichterstattung” Ausschau zu halten.
“Oh, Herr Kampffussel teilt heute wieder aus” könnte der mir geneigte oder gar abgewandte Leser denken. Falsch gedacht! Ich spiele natürlich nicht auf derart aktive Blogs und meinem latenten Neidfaktor, sondern nur auf meine eigene Faulheit an. Mit dem Schnee-Leoparden hat sich Apple von seinem Gamma 1,8 verabschiedet. Das heißt: Ohne Klimmzüge mit dem Colorimeter und einem angepassten Profil kann ich ruhigem Gewissen einen echten sRGB-Workflow frönen.
Der Hauptbildschirm (Hersteller EIZO) deckt garantiert diesen Farbumfang ab, der Zweitmonitor (Hersteller SAMSUNG) simuliert mir die Worst Case-Wiedergabe am Billigheimer … also das, was wohl die Mehrheit meiner Besucher sehen wird. Schade drum, werden Lichter und Tiefen falsch wiedergegeben und saufen Kontrastdetails hoffnungslos ab. Der echte, einem Farbmanagement entfleuchte Papierabzug bleibt im Gegensatz zur Internetdarstellung die Krönung meiner “kreativen” Arbeit …